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Neues FAZ-Hochglanzmagazin:Nur ein bisschen hedonistisch

Frankfurter Allgemeine Quarterly

Frankfurter Allgemeine Quarterly erscheint, wie der Name sagt, in einer Startauflage von 75 000 Exemplaren vierteljährlich im Verlag der FAZ. Der Copypreis liegt bei zehn Euro.

Die FAZ gibt ein neues Hochglanzmagazin heraus: Im "Frankfurter Allgemeine Quarterly" findet der liberal-elitäre Leser zwar auch Luxusanzeigen, aber Reportage und Analyse nehmen im Heft viel Raum ein.

Es ist ja derzeit viel von liberalen Eliten die Rede. Aber wenn diese Eliten gerade mal nicht, wie jetzt gefordert, auf die Vergessenen in den Rostgürteln dieser Welt schauen, dann müssen sie ja auch sonst irgendwie ihr liberales Leben leben. Sie müssen versuchen auf ihre Weise die Welt zu verstehen, die ökonomischen, aber auch die kulturellen Umbrüche; und sie müssen, um urbane Eliten zu bleiben, darauf beharren, dass ihre Welt auch ästhetisch gestaltet wird - unter anderem auch mit den schönen Dingen, die sie besitzen oder die sie sich kaufen könnten.

Für diese Menschen gibt es jetzt das Hochglanzmagazin Frankfurter Allgemeine Quarterly (FAQ). Es erscheint, wie der Name sagt, vierteljährlich im Verlag der FAZ; und es beantwortet, wie der abgekürzte Name FAQ sagt, häufig gestellte Fragen, jedenfalls im ersten Teil des Heftes - wobei die erste Ausgabe, die von diesem Donnerstag an zum Verkaufspreis von zehn Euro am Kiosk liegt, verheißt, dass es häufig auch eher originelle Fragen aus der Redaktion sein werden wie diese: "Was ist Gulf-Futurism?", "Wie politisch sind krause Haare?" oder "Warum liegt die Zukunft auf dem Land?".

Die übrigen drei Teile des Magazins heißen "Das Thema" - beim ersten Mal ist das eine große Reportage aus dem Silicon Valley -, sowie "Materialien" und "Was kommt".

FAQ ist ein aufwendiges Lifestyle-Feuilleton, produziert in Berlin, mit Anklängen an das New York Times Magazine, an den smarten Kultur-Ableger des Economist, 1843 (vorher Intelligent Life), und an das Globalisten-Brevier Monocle aus dem Londoner Haus Winkreative, das auch die Gestaltung von FAQ verantwortet.

Hinzu kommt eine Prise London Review of Books, mit einem Amok-Essay des kapitalismuskritischen Germanisten Joseph Vogl oder einer Betrachtung über die Schriftsteller Rainald Goetz und Michel Houellebecq, der auch interviewt wird. Dazwischen gibt es opulente, wenn auch - wie es sich für Eliten-Lifestyle gehört - leicht rätselhafte Kunst- und Modestrecken.

Der Versuch, das US-Magazin Vanity Fair nach Deutschland zu exportieren, ist vor einigen Jahren nicht recht aufgegangen. Sie erschien von 2007 bis 2009 und wurde dann eingestellt.

Ein mutiger Schritt

Einer der beiden FAQ-Chefredakteure, Rainer Schmidt, hat früher dort gearbeitet. Aber das Konzept von FAQ ist anspruchsvoller und, trotz Luxusanzeigen, weniger unmittelbar hedonistisch. Das Umfeld ist gefällig, aber Reportage und Analyse nehmen im Heft viel Raum ein.

Der zweite Chef ist Claudius Seidl, der im Hauptberuf das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung leitet, auch die meisten Autoren stammen von dort. Ob sich so die Diversifizierung zwischen FAS und FAQ bei sinkenden Printauflagen durchhalten lässt, wird sich zeigen.

In jedem Fall ist das neue Heft ein mutiger Schritt; und während die ebenfalls neue FAZ-Woche eher wie ein freudloser Abstract-Service daherkommt, ist FAQ wirklich sehr schön gemacht.

Wie immer die offene Zukunft ausgeht, von der das Heft handeln will - dass der Qualitätsjournalismus nur mit Blick auf "kluge, vielseitig interessierte und einkommensstarke Leserinnen und Leser" (so die begleitende Verlagsmitteilung) eine Chance hat, das dürfte tatsächlich sicher sein.