Neues Nachrichtenportal New York Times wagt sich nach China

Unabhängiger Journalismus ist in China schwer zu gewährleisten, doch die "New York Times" versucht es nun trotzdem. Das Flagschiff der US-Zeitungsbranche hat eine chinesische Version ihrer Website live geschaltet. Die Zeitung hofft, auf dem riesigen Markt neue Lesergruppen für sich zu erschließen.

Das Internet macht's möglich: Die New York Times streckt ihre Fühler nach China aus und hat dort am Mittwoch eine chinesische Version ihrer Webseite live geschaltet. Damit mischt das Flaggschiff der US-Zeitungsbranche nun auf einem der größten Verbrauchermärkte der Welt mit. Zielgruppe des Medienunternehmens ist die steigende Zahl gebildeter Chinesen, die nicht englisch sprechen. Sie sollen durch ein hochwertiges Nachrichtenangebot in den Bereichen "internationale Politik, Wirtschaft und Kultur erreicht werden.

Gebäude der New York Times in Manhattan: Neue Website in China.

(Foto: dpa)

Die Redaktion der neuen Seite besteht aus 30 Mitarbeitern, die sich auf die Standorte Hongkong und Peking aufteilen. Das aus Redakteuren und Web-Programmierern bestehende Team soll mit Korrespondenten des Mutterblatts kooperieren, die bereits vor Ort sind. Geplant ist, dass die Inhalte auf der kostenlosen Seite zu zwei Dritteln aus übersetzten Stücken der New York Times und zu einem Drittel aus einem eigenen redaktionellen Angebot chinesischer Redakteure bestehen sollen.

An der Spitze der Redaktion steht der leitende Politik-Redakteur Joseph Kahn, der allerdings in Manhattan bleibt. Geschäftsführer Craig Smith hat die Fäden vor Ort in der Hand.

Der notorischen Zensurwut der chinesischen Regierung begegnet die New York Times mit einigen Maßnahmen: Die Server für das neue News-Angebot sind außerhalb Chinas installiert, außerdem betonen die Amerikaner, dass die Webseite kein offizielles chinesisches Medium ist. Kahn ist zudem zuversichtlich dass die chinesische Regierung dem Projekt entgegenkommt, obwohl dieses sich nicht per se chinesischen Andordnungen beugen wird.

Die New York Times teilte über Ihre Pressesprecherin Eileen Murphy mit, dass sie bereits namhafte Marken wie Prada, Louis Vuitton und Salvatore Ferragamo als Anzeigenkunden für die neue Website gewonnen habe. Der Verlag sei außerdem zuversichtlich, dass schon bald Finanzdienstleister auf der Seite für sich werben würden.