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Neue Staffel "Die Bachelorette":Ein bisschen Lüsternheit

Die Bachelorette

Auf der Suche nach Medienpräsenz, pardon, ihrem Traummann: Bachelorette Alisa.

(Foto: RTL / Stefan Gregorowius)

Kuppelshow? "Die Bachelorette" ähnelt eher einer Klassenfahrt mit Gratis-Alkohol und Gruppenzähneputzen. Bis einer den Brocode bricht.

Von Johanna Bruckner

"Mann, Mann, Mann, man merkt, wenn der Eisprung naht", sagt die Kollegin, kurz bevor ich das Büro verlasse. Dann geht es um die körperlichen Vorzüge des Schauspielers James Franco. Was das mit der Bachelorette zu tun hat? Nun ja, drei Dinge: Männer, Hormonüberschuss, und ein bisschen Lüsternheit. Und irgendwie muss ich diesen Text ja anfangen - warum nicht mit einem Klischee, wenn es passt?

Stereotype sind auch in Staffel drei ein wesentliches Merkmal der Frau-sucht-Mann-und-Medienpräsenz-Show auf RTL. Letzteres trifft auf die aktuelle Junggesellin eher nicht zu. Die brünette Alisa hat schließlich einen anständigen Beruf gelernt, sie ist Lehrerin für Mathe, Deutsch und Sport. Klar, dass sich bei so einer Tochter jeder Vater gerne vor die Fernsehkamera stellt und die Errungenschaften des eigenen Kindes preist: "Dass Alisa die Bachelorette 2015 ist, das macht mich superstolz."

Die vergangene Staffel brachte RTL im Schnitt einen Marktanteil von 13,7 Prozent in der werberelevanten Zielgruppe. Die Quote ist schlechter als beim Bachelor, aber besser als das RTL-Mittel - fürs Sommerloch reicht es also allemal gut. Damit wäre geklärt, was Protagonistin und Sender davon haben. Und die 20 Kandidaten?

"Ich bin schon 'ne Granate als Typ"

Die wollen zeigen, was sie zu bieten haben, auch unterhalb ihrer Sixpacks. Manchmal ist es weniger, also an Muskelmasse um die Körpermitte. Aber dafür wird dann eben verbal draufgepackt: "Ich bin schon 'ne Granate als Typ", erklärt Katsche, 42, Rettungsschwimmer, "die, die mich kriegt, wird's nicht bereuen." Dass sich in der Sendung neben dem Ego die Libido befriedigen lässt, ist ein Bonus. Um den nicht aufs Spiel zu setzen, sprechen die meisten Teilnehmer lieber von Liebe als von Lüsternheit.

Nur Alisa sagt auch schon mal ganz offen, wo ihre Interessen liegen: "Ich hab keine Ahnung, wie der unter dem Anzug aussieht - aber ich bin gespannt." Gut, die Frau muss ja auch niemanden mehr rumkriegen.

Es wäre allerdings falsch, daraus zu schlussfolgern, die Bachelorette sei ausgleichender Sexismus. Alisa macht zwar Witzchen über die Glücksbringer in den Hosen ihrer Verehrer. Aber wenn die Dame nicht anwesend ist, kommen die Statements der Herren in Basarvokabular. Bei Architekturstudent Kevin hört sich das so an: "Ist 'ne sehr sehr süße Maus, damit kann man arbeiten." Der angehende Fitnesstrainer Flo sagt schlicht: "Jaaa, nice!" Und Immobilien-was-auch-immer Mathias schwurbelt: "Die Bachelorette 2015 ist aus meiner Sicht Premium deluxe. Und Premium deluxe passt dann auch zu Premium deluxe, deshalb bin ich froh, dass ich dabei bin."

Was wohl Deutschlehrerin Alisa sagen würde, wenn sie das hören könnte? Wobei sich das mit der Schulkarriere nach der Show schwierig gestalten könnte. Das weiß wohl auch die 27-Jährige, und nimmt es mit dem sprachlichen Ausdruck schon nicht mehr so genau - Hauptsache der Junge bemüht sich. So wie Zwei-Meter-Mann Kevin, der es im Vieraugengespräch mit Charme versucht: "Was dir an Größe fehlt, das machst du an Ausstrahlung weg." Alisa findet's nett.

Schokoladenschmetterlinge im Bauch

Ja, es gibt sie, die Datingshow-Momente: Wenn Kandidat Lars zur ersten Nacht der Rosen Schokoladenschmetterlinge mitbringt, damit Alisa am Ende des Abends auf jeden Fall Schmetterlinge im Bauch hat. Oder wenn Rettungsschwimmer Katsche ihr verspricht: "Wenn die Ärger machen, sagste Bescheid, ich kümmer' mich 'n bisschen." So etwas könnte durchaus im Romantikratgeber der Bravo stehen. Die meiste Zeit ist die Bachelorette aber mehr Klassenfahrt als Kuppelshow.

Die Jungs freuen sich wie Bolle über die schnieke Villa an der portugiesischen Algarve. Kurz droht Streit, wer denn nun die guten Betten direkt am Fenster bekommt. Aber hey, nichts, was sich nicht mit einem Glas Hochprozentigen runterspülen ließe. Und der Wodka muss noch nicht mal ins Haus geschmuggelt werden, der steht da einfach so rum, wo ihn jeder gut sehen kann - da wirste bekloppt! Wenn die Jungs nicht trinken, tun sie das, was Jungs eben so tun, wenn sie unter sich sind: Liegestütze machen in der prallen Sonne, Tattoos vergleichen, Gruppenzähneputzen, Outfits fürs abendliche Date besprechen.

Klar, es wird auch mal gezickt. Jörg unterstellt Konkurrent Robbin, er ziehe sich nur an wie Thomas Gottschalk auf Speed, um von seinen Schwächen abzulenken: "Der will auffallen, um äußerliche Defizite wettzumachen." Katsche findet, dass ihm hier ohnehin niemand das Wasser reichen kann. Und dann gibt es noch Alex, der den Brocode mit einem einzigen Statement bricht: "Ich hab' meine Vase schon am Bett stehen, für die Rose."

Wenn nur diese Lehrerin nicht wäre - dann wäre die Klassenfahrt perfekt. 20 Männer, viel Testosteron und ein bisschen Lüsternheit.

© SZ.de/dayk/lala
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