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Neue Sendung mit Urban Priol:So ironisch wie Youporn

Urban Priol: Youporn und Priol sind Geschwister im Geiste als Produzenten von Überdeutlichkeit.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Das Comeback von Urban Priol im ZDF gleicht einer Heimsuchung. Warum die Kabarettsendung "Ein Fall fürs All" ein Fall zum Abschalten ist.

Von Gerhard Matzig

Es gab einmal das Cabaret, das war vor allem nackt. Daraus entwickelte sich dann das Kabarett, und das war vor allem politisch. Beide sind tot. Das Cabaret wurde letztlich von Youporn erledigt - und das politische Kabarett von Urban Priol.

Youporn und Priol sind Geschwister im Geiste als Produzenten von Überdeutlichkeit. Wobei Priol womöglich glaubt, er sei ironisch. Tatsächlich ist er so ironisch wie Youporn. Beide finden sich aufregend und anstößig - und beide sind tödlich erwartbar und nur absolut anstößig insofern, als sie absolut anstößig langweilig sind.

Das ZDF bezeichnet das nun monatlich uns drohende neue Urban-Priol-Format unter dem Titel "Ein Fall fürs All", dessen gewalttätig Reimwollendes schon Programm genug ist, als "Comeback". Richtig daran ist: Es ist eine Heimsuchung.

Mit Alfons im All

Urban Priol hat sich für diese Heimsuchung den eigentlich viel begabteren Emmanuel Peterfalvi alias Alfons (der Mann mit dem Puschelmikrofon und dem französischen Akzent) gegriffen. Beide befinden sich in der Szenerie eines Raumschiffes, wobei das Raumschiff einerseits an einen Frisörsalon, andererseits an eine Auto-Werkstatt erinnert.

Egal. Priol ist ein Mann des Wortes, wenn nicht des Ortes - und sei dies auch ein Frisörraumschiff. Und natürlich ein Mann, der lustig-bunte Hemden für einen lustigen oder gar bunten Einfall hält, wobei sich dessen Haare immer so haarsträubend sträuben angesichts der Skandale auf der Erde, dass er aussieht wie ein Struwwelpeter, der in die Steckdose gegriffen hat. Es ist die Pose des Furors und dabei nur: clownesk.

Ein Fall fürs All ist das Ganze deshalb, weil sich Struwwelpeter-Clown und Puschel-Mikro auf die Suche begeben: nach intelligentem Leben im All. Denn die Erde ist traurig, trist und öde. Verkommen. Was aber würde man sich für die Politsatire, die dieses Comeback gerüchteweise auch sein soll, an Themen suchen, die belegen könnten, dass das politische Kabarett von Priol traurig, trist und öde ist?

Man würde die ewige Kanzlerschaft von Angela Merkel aufbieten, die aktuelle Bundeswehrposse, Vertriebenenverbände und Putin. Und die Gagschreiber würden sich diese fulminante Szene für Priol ausdenken: "Stell dir vor, es ist" - Lacher - "Krieg" - Lacherlacher - "und keiner kommt hin" - großer Lacher - "weil der Truppentransporter" - Pruuuuust - "gerade kaputt ist" - sehr großer Pruuuuuuster.

Kein Witz zu närrisch

Ach, herrlich. Dass es noch und immer wieder so etwas wie Priol gibt, ist ein Hinweis darauf, dass der Erde kein Politwitz, der sich als Satire ausgibt, zu närrisch ist. Wollte man dem entkommen, man müsste ins All fliehen. Und da begegnete einem Priol mit seinem puscheligen Frisörraumschiff.

Wenn man Priol nun einen kleinen Schubs gäbe, er würde fliegen und fliegen und fliegen durch das All. Bis in weit entfernte Galaxien. Wo er verstummte. Man sähe nur noch, unendlich einsam und weit entfernt im Nichts der Sterne: den Haarkranz eines Clowns. Wie traurig, trist und öde. Schön eigentlich.

© Süddeutsche.de/rus/sks
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