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Neue Führung bei France Télévisions:Sarkozys Entscheidung

Französische Präsidentenwahl: Nicolas Sarkozy bestimmt die neue Führung beim staatlichen Fernsehsender France Télévisions.

Der 56-jährige Rémy Pflimlin wird neuer Präsident der öffentlich-rechtlichen Sendergruppe France Télévisions. Im Rennen um den Posten war der Medienmanager eher ein Mann im Hintergrund, doch Pflimlin kennt France Télévisions gut; er leitete sieben Jahre lang den Tochtersender France 3. Derzeit wirkt er als Chef der Pressevertriebsorganisation Presstalis auf kompliziertem Terrain.

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Ein Präsident, der den Senderchef bestimmt: Nicolas Sarkozy.

(Foto: dpa)

Seine Berufung als Nachfolger des bis August amtierenden Patrick de Carolis hat freilich aus Sicht der Mitarbeiter von France Télévisions, der Gewerkschaften, sowie der politischen Opposition einen entscheidenden Makel: Erstmals ist an diesem Montag ein Chef des Staatsfernsehens vom Präsidenten der Republik benannt worden; bisher entschied darüber ein Medienrat. Doch Nicolas Sarkozy, der mächtigen privaten Medienunternehmern nahe steht, hat in seiner Amtszeit schon vieles verändert im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Unter anderem verordnete er Werbefreiheit und schrieb damit - kuriose Variante präsidialer Machtfülle - dem Land eine neue Startzeit für die abendliche Prime Time vor.

Präsident von Gnaden des Präsidenten?

Die Suche von höchster Stelle nach einem Senderchef hatte in den vergangenen Monaten zum großen Schaulaufen der mehr oder weniger öffentlich gehandelten Kandidaten im Élysée geführt. Zunächst galt im Frühjahr der junge Alexandre Bompard als Favorit des Präsidenten der Republik. Der 37-Jährige führt einen Radiosender im Konzern des mit Sarkozy vertrauten Großunternehmers Arnaud Lagardère. Seine Benennung hätte wohl einen Grundsatzstreit über die Einflussnahme Sarkozys in den öffentlich-rechtlichen Sendern entfesselt. Auch um das zu vermeiden, kam dann sogar der Name de Carolis wieder ins Spiel, als Nachfolger seiner selbst sozusagen.

Rémy Pflimlin ist Elsässer, er gilt als liberal-konservativ und wurde zuletzt auch ernsthaft als künftiger Arte-Präsident gehandelt. Begonnen hat er seine Laufbahn bei lokalen Print-Titeln, stieg beim Regionalverlag Société Alsacienne de Publications (L'Alsace) auf. 1999 wurde er Generaldirektor bei France 3, dem am stärksten regional ausgerichteten Sender von France Télévisions, der mit seinen Programmfenstern je nach Sendegebiet entfernt an die Dritten Programme der ARD erinnert.

Mit der Entscheidung für Pflimlin umgeht Sarkozy die ganz große Machtprobe um den Rundfunk. Der Neue aber muss sich bei France Télévisions nun nicht nur um die Auswirkungen der Werbefreiheit und um eine neue Unternehmensstruktur kümmern - sondern er muss vor allem beweisen, dass er mehr ist als ein Präsident von Gnaden des Präsidenten.