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NDR-Medienmagazin "Zapp":Brav statt kantig

Das TV-Magazin "Zapp" galt einmal als investigativ. Große Enthüllungen sind inzwischen rar geworden, die Personaldecke ist dünn, "weiche" Themen sollen eine größere Rolle spielen. Wie öffentlich-rechtliche Sender eine unbequeme Sendung kleinkriegen.

In der Nutzertypologie der ARD-Medienforschung gibt es Gruppen wie die "jungen Wilden" oder die "aktiv Familienorientierten". Unter letzteren hat die zuständige Abteilung des NDR kürzlich Zuschauer entdeckt, die es für Zapp noch zu erobern gäbe.

"ZAPP" MIT GERHARD DELLING

Auch im Fernsehen gibt es gehaltvolle Selbstreflektionen. Das Medienmagazin "Zapp" gehörte bisher dazu.

(Foto: DPA/DPAWEB)

Steffen Eßbach, Redaktionsleiter des Medienmagazins, scheint nicht unbeeindruckt von der hohen Kunst der Marktforschung: Er will die Ergebnisse in die Sendung integrieren und gelegentlich darüber berichten, "wie Medienkompetenz vermittelt wird". So lief kürzlich ein Film über die Kinderzeitschriften von Spiegel, Geo und Co. - kein ganz frisches Thema, von dem Eßbach vorher begeistert erzählte, das könne auch reizvoll für die "aktiv Familienorientierten" sein.

Wer an Zapp denkt, denkt normalerweise nicht an Servicethemen für Eltern, sondern an investigative Recherche, an Enthüllungen, die auch die ARD nicht schonten. Vor rund fünf Jahren recherchierte Zapp, dass die Bundesagentur für Arbeit und die Deutsche Rentenversicherung PR-Filme produziert hatten, die bei MDR, RBB und HR als redaktionelle Beiträge liefen. Später deckten die NDR-Leute auf, dass sich einige öffentlich-rechtliche Moderatoren Nebentätigkeiten für die Privatwirtschaft fürstlich honorieren ließen.

Weil die Sendung durch solche Scoops lange nicht mehr aufgefallen ist, gibt es seit Monaten interne Debatten über den Kurs. Viele Autoren argumentieren, die Sendung sei zu brav und habe ihr Alleinstellungsmerkmal als investigatives Medienmagazin verloren. Im Zentrum der Kritik steht Eßbach, der 2009 zu Zapp kam - als Leiter einer Mini-Abteilung, in der er auch die Humorsendung extra 3 verantwortete. Nachdem der NDR die Abteilung aufgelöst hat, ist der Thüringer nun nur noch Redaktionsleiter.

Eigentlich hört man über Eßbach fast nur Gutes. Redakteure wie Autoren loben seine Arbeit für die Verbrauchersendung Markt, für die er von 2007 bis 2009 verantwortlich war. Im Laufe der Zeit bei Zapp stellte sich aber offenbar heraus, dass Eßbach nicht alle von seinem Gespür für Medienthemen überzeugt hat. Kritiker lasten ihm an, dass er sich nicht für ARD-intern unbequeme Themen stark mache. Zapp berichtet zwar noch über Missstände im öffentlich-rechtlichen Milieu, hinkt aber hinterher. Ein Film über die MDR-Intendantenwahl war angemessen bissig.

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