Nachlese zum "Tatort: Münster" "Sie sind ja goldig"

Im 25. Einsatz: Prof. Boerne (Jan Josef Liefers, r.) und Frank Thiel (Axel Prahl).

(Foto: WDR/Martin Menke)

Sie wollen mitreden über den "Tatort"? Wir sagen Ihnen, was das Imponiergehabe untersetzter Männer mit selbsternannten Superhelden in Strumpfhosen zu tun hat - und welche Rolle ein Bordell dabei spielt. Die besten Dialoge und nervigsten Klischees aus "Der Hammer".

Von Matthias Kohlmaier

Darum geht's:

In ihrem 25. Fall, "Der Hammer", jagen Kommissar Thiel (Axel Prahl) und Professor Boerne (Jan Josef Liefers) einen Serienmörder, der seinen Opfern das einzuhämmern versucht, was er für Gerechtigkeit hält. Aber was hat das Ganze mit dem geplanten Großbordell zu tun, das in Münster gebaut werden soll? Und warum verkleidet sich der Täter als Superheld - mit Strumpfhosen und Sturmhaube?

Lesen Sie hier die Rezension von SZ-Tatort-Kritiker Holger Gertz.

Bezeichnender Dialog:

Kommissar Thiel und Professor Boerne treffen sich am Tatort, Boerne kommt offensichtlich direkt von einer Abendveranstaltung und trägt ein weißes Jackett samt Fliege:

Thiel: "Ah, Herr Ober, ich nehm ein Kännchen Kaffee. Sie sind ja goldig."

Boerne: "Wollen Sie sich noch dümmer stellen, als Sie sowieso schon sind?"

Thiel: "Sieht ja cool aus. Wo kriegt man sowas? Berufsbekleidung?"

Boerne: "So trägt jeder sein Erbe: ich das Dinner-Jackett meines Großvaters und Sie die untersetzte Figur des Ihren."

Die beste Szene:

Dass der etwas untersetzte Thiel der Kollegin Nadeshda Krusenstern (Friederike Kempter) bei Gelegenheit gerne etwas imponieren möchte, ist keine Neuigkeit mehr. Beim gemeinsamen Erstürmen eines Raumes macht er sich dabei jedoch sehr zum Affen. Die Tür bricht er noch problemlos auf, nur um dann mit dem Gürtel an der Türklinke hängenzubleiben wie ein nasser Sack. Ein paar Augenblicke später entledigt er sich des Gürtels dann, den Blick beschämt zu Boden gerichtet. Das Imponiergehabe eines mittelalten Mannes - köstlich.

Die Erkenntnis:

Teilnehmer einer demonstrierenden Meute müssen zwingend mit buntgemusterten Steppdecken behängt, unrasiert und/oder langhaarig sein, kurz: sämtlichen gängigen Hippie-Klischees entsprechen. Finden zumindest die Macher des Münsteraner Tatorts, und lassen die gegen den Bau eines Großbordells Protestierenden auch noch diesen Slogan skandieren: "Kein Puff im Münsterland, unser Land ist Ackerland."

Die besten Zuschauerkommentare:

Top:

Die musikalische Untermalung - ein Scheppern hier, ein Knallen dort, zwischendurch ein paar kräftige Paukenschläge, sanftes Bongotrommeln und sogar ein Xylophon. Das klingt ein bisschen nach experimentellem Theater, fügt sich in die Szenerie aber perfekt ein und be- und entschleunigt die Dramaturgie je nach Bedarf.

Flop:

Roland Kaiser, Frank Schätzing und nun Frank Zander: Auftritte diverser Prominenter sind im Tatort mittlerweile fast schon Usus. Warum der prollige Zuhälter aber in "Der Hammer" unbedingt von dem Mann gespielt werden muss, der einst "Hier kommt Kurt" schmetterte, erschließt sich nicht. Es gäbe gewiss fähigere Schauspieler.

Die Schlusspointe:

Gibt es nicht. Am Ende, als längst auch zwischenzeitlich eingenickten Zuschauern klar ist, wer der Täter im Pseudo-Superheldengewand ist, zieht sich "Der Hammer" ziemlich in die Länge. Aber was soll man als Autor/Regisseur tun, wenn das ARD-Programmschema nun mal 90-minütige Krimis erfordert. Immerhin kommen Thiel und Boerne zum Schluss nochmal ordentlich außer Atem.

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