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Tatort Münster: "Der Hammer":Die Sendung mit der Fledermaus

Tatort: Der Hammer; "Tatort"

In der Tatort-Folge "Der Hammer" kommt auch eine Spritzpistole zum Einsatz.

(Foto: WDR/Martin Menke)

In Folge 25 des Münsteraner "Tatorts" üben sich Thiel und Boerne im Slapstick und ein Mann in Flügelumhang und Strumpfhosen geht mit Hammer und Spritzpistole gegen ein geplantes Großpuff an. Spannend ist das nicht - unterhaltsam durchaus.

Wenn ein Zuhälter den Namen Vogler trägt, weiß man, wo die Reise ungefähr hingeht. Wenn Zuhälter Vogler dann noch von Frank Zander gespielt wird, ist das Ziel erreicht. Ziel und Sinn und Auftrag dieses Tatorts aus Münster, Jubiläumsfolge 25, ist die größtmögliche Unterhaltung der Leute. Ermittler Thiel bleibt nach dem Türeintreten mit dem Gürtel an der Klinke hängen, Professor Boerne kauft einen Markierungshammer im Baumarkt und räumt dabei größere Teile der Auslage ab.

Viel Slapstick, sogar ein Wasserbett als Vor- und Grundlage für unfreiwillige Komik wird tatsächlich noch einmal strapaziert. Regisseur Lars Kraume hat - vor allem als Autor - mit Kunzendorf und Król sehr bemerkenswerte Tatorte aus Frankfurt entwickelt, in der grandiosen Folge "Es ist böse" wird eine Wohnung vorgeführt, die tapeziert ist mit Momentaufnahmen des Grauens; zerschnittene Haut, zerquetschte Zehen. Das Böse malt in Kraumes Geschichten normalerweise grauenvolle Bilder, spricht den Zuschauer aber mit leiser Stimme an, deshalb spürt man es richtig.

Diese Episode ist anders, nur manchmal ruft Kraume recht beiläufig mit ein paar Geräuschen Spannung wach. In einer Wohnung wird ein Hammer gefräst; wird an der Kraftmaschine gehechelt; wird mit fiebrig quietschendem Stift etwas aufgeschrieben. Darüber hinaus kommt das Böse in einem Gewand daher, das aussieht wie die Testversion von Batman. Der Tatort als Sendung mit der Fledermaus.

Idiot in Strumpfhosen

Ein Mann, kostümiert mit Wollmütze, Strumpfhose, Flügelumhang und Hodenschutz aus Plastik, will den Bau des Großpuffs Waikiki-Oase in Münster verhindern. Der Maskierte hat eine Spritzpistole dabei und einen Hammer, mit dessen Hilfe er seine Opfer durchnummeriert. Er quatscht allerdings zu viel, als dass ihn jemand wirklich fürchten könnte. Er brüllt: "Ich bin der Hammer, der auf das Geschmeiß niedergeht." Er ruft: "Sehe ich aus wie ein Idiot in Strumpfhosen?" Die Antwort ist: ja.

Prahl und Liefers sind erwartbar in ihrer Frotzelei, aber auch unterhaltsam. Wortwitz und Dialoge stimmen. Boerne bringt außerdem den selten gebrauchten Begriff Vigilant in die Debatte ein. Seitenhiebe gegen westfälische Gutmenschen und andere Wollsockenträger sind immer angebracht, man kriegt die anderthalb Stunden also ganz gut rum. Aber wer das Ganze spannend oder gruselig findet, der wäre auch imstande, Flöhe husten zu hören.

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr.

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