Nachlese zum "Tatort" aus Ludwigshafen:Daily Soap mit Mord

Tatort "Roomservice"; Naima Fehrenbacher

Wer hat das Zimmermädchen Yasemin das Treppenhaus hinunter gestürzt?

(Foto: SWR/Alexander Kluge)

Das Zimmermädchen Yasemin wird ermordet. Aber es geht um viel mehr im Tatort "Roomservice" - um viel zu viel. Die Nachlese mit den besten Zuschauerkommentaren.

Von Johanna Bruckner

Darum geht's:

Um den Fall Strauss-Kahn. Nur dass der Ex-IWF-Chef im Tatort "Roomservice" Joseph Sattler heißt und EU-Kommissar für Arbeit ist. Und das Zimmermädchen eines Luxushotels, mit dem der fiktive Politiker Sex für Geld hat, findet sich am Ende nicht vor Gericht wieder. Es liegt mit zerschmettertem Schädel im Erdgeschoss des Treppenhauses. Wollte die junge Frau eine Vergewaltigung inszenieren - und Sattler brannten die Sicherungen durch? Oder soll der Politiker zum Sündenbock gemacht werden für einen Mord, den er nicht begangen hat? Die Ludwigshafener Kommissare Odenthal und Kopper ermitteln. Unterstützung in dem medienträchtigen Fall bekommen sie von der nassforschen LKA-Analytikerin Johanna Stern. Die hat wie schon im Vorgänger-Tatort aus Ludwigshafen dramaturgisch aber vor allem die Aufgabe: Lena Odenthal zur Weisglut treiben.

Lesen Sie hier die Rezension von SZ-Tatort-Kritiker Holger Gertz:

Bezeichender Dialog:

Krisentreffen auf der Terrasse: Das Ehepaar Sattler tauscht sich über die jüngsten Erkenntnisse aus.

Joseph Sattler: Ich habe gerade erfahren: Die neue Praktikantin in der Presseabteilung hat diverse Anfragen für andere Talkshows einfach unter den Tisch fallen lassen, damit wir diesen "Talk im Weingut" zusagen.

Valerie Sattler: Die wussten genau, dass du im Schlosshotel übernachten wirst. Die wussten, auf welchen Frauentyp du stehst. Ich werde versuchen, deine Praktikantin zu einer Aussage zu bringen.

Joseph Sattler: Sie hat heute Morgen gekündigt. Diese Drecksbande!

(Beide setzen sich an einen Gartentisch.)

Valerie Sattler: Du bist in eine Honigfalle getappt. Fünf Tage, bevor die Kommission die Gesetzesvorlage einbringt ...

Joseph Sattler: Noch ist nichts verloren. Die Leute nehmen mich, so wie ich bin. (steckt sie eine Zigarette an)

Valerie Sattler: Ich halte zu dir. (steht auf und legt ihrem Mann die Hand auf die Schulter) Egal, was du getan hast.

Die besten Zuschauerkommentare:

Die beste Szene:

Selten wurde ein Mord so ästhetisch in Szene gesetzt wie in diesem Krimi. Lautlos und mit schreckensweiten Augen stürzt das Zimmermädchen Yasemin auf die schwarz-weißen Fliesen am Boden des Treppenhauses zu. In Slow Motion, Stockwerk um Stockwerk. Zeit genug, um das kunstvoll geschnitzte Holzgeländer des Treppenhauses gebührend zu würdigen.

Top:

Die Polit-Talkshow, in der Sattler und sein Konkurrent Hausmann über die Frauenquote streiten, heißt "Talk im Weingut". Das kann man als plumpe Persiflage auf sämtliche Polit-Talks dieser TV-Republik sehen. Oder einfach nur großartig finden.

Flop:

Man würde Tatort-Drehbuchschreibern ja gerne mal einen Volkshochschulkurs verordnen: "Plot-Entschlacken". Auch diese Folge ist thematisch überfrachtet. Sexismus, die Arbeitsbedingungen von Zimmermädchen, politische Intrigenspiele, Frauenquote, Machtehen, Generationenkonflikt im Job. So viel kommt in keiner Daily Soap zusammen.

Bester Auftritt:

Eigentlich ist die Sache schon nach der ersten Szene mit Suzanne von Borsody klar: Da holt sie als Politikergattin Valerie Sattler die Zeitung ins Haus, das standesgemäß natürlich eine Villa ist, und lässt den lauernden Boulevardreporter arrogant abblitzen. Und das in Schlappen mit Lockenwicklern im Haar. Weibchen-Klischee? Diese Frau ist so hart, dass sie ihren Ehemann in der Sexaffäre als Anwältin vertritt. Und Kommissarin Odenthal eiskalt einnordet: "Dagegen ist ja wohl nichts einzuwenden, wenn zwei erwachsene Menschen sexuelle Handlungen miteinander vollziehen?" Man muss Valerie Sattler nicht mögen, aber irgendwie doch ein bisschen bewundern.

Die Erkenntnis:

Ein hochrangiger Politiker unter Mordverdacht wäre nie so dumm, die leitende Ermittlerin sexuell zu nötigen? Wäre er doch. Hah! (Und ja, das kann man nun wirklich plump finden.)

Die Schlusspointe:

"Damit musst du alleine klarkommen", sagt Joseph Sattler am Ende zu seiner Frau. Und während man sich noch innerlich empört über den illoyalen Mistkerl, gibt es im Treppenhaus des Schlosshotels abermals einen dumpfen Knall.

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