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Nach dem Aus von "Gottschalk live":Torschluss - kein Grund zur Panik

Thomas Gottschalk und Harald Schmidt scheitern am Publikum - allerdings aus unterschiedlichen Gründen. Der eine ist der Kanzler der Quote und muss sich an dieser Regentschaft auch messen lassen. Der andere war immer nur für eine spitze Zielgruppe gut. Die muss sich ein Sender auch leisten wollen.

Wenn alles so bleibt, wie es angekündigt wurde, dann wird Harald Schmidt am 3. Mai seine letzte "Late Night Show" bei Sat1 präsentieren und Thomas Gottschalk am 7. Juni die letzte Ausgabe von "Gottschalk Live" im Ersten. Schmidt wird sehr wahrscheinlich einen längeren Urlaub antreten, Gottschalk sich sehr wahrscheinlich auf seinem schönen Grundstück in Malibu erholen.

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Thomas Gottschalk (links) wird für immer an der Quote gemessen werden. Harald Schmidt hat hingegen eine spitze Zielgruppe.

(Foto: dpa)

Zurück bleiben ein paar Leerstellen im Gesamtprogramm der deutschen Senderlandschaft. Aus der Ferne betrachtet sieht es so aus, als erlebe man gerade ein Ende und einen Anfang. Aber tritt nun wirklich eine Entertainer-Generation ab und eine neue an?

Schmidt ist 55 und Gottschalk 61. Ältere Moderatoren der Fernsehunterhaltung gibt es nicht mehr. In beiden Fällen hat ein dauerhaft mangelhaftes Interesse der Zuschauer zur Absetzung geführt.

Es ist eine große Verlockung, daraus den Schluss zu ziehen, dass es zwei alte und mit Geld gefüllte Fernsehsäcke einfach nicht mehr auf die Höhe der Zeit schaffen und ihr Publikum verloren haben. Das ist, bei genauer Betrachtung, nicht so, und es handelt sich bei Gottschalk und Schmidt auch um zwei sehr verschiedene Vorgänge - so wie das, was sie machen, grundverschieden ist.

Gottschalk ist Entertainer für Millionen. Er definiert sich ja selbst ausschließlich über den Zuspruch der Massen. Er hat als Kanzler der Einschaltquoten Bedeutung gewonnen. "Wetten, dass ..?", die früher mal eine 18-Millionen-Zuschauer-Show war, entpuppte sich für ihn als ein Geschenk des Himmels - und er war für "Wetten, dass..?" ein himmlischer Fürsprecher.

Sympathisch aber nicht professionell

Das Missverständnis war von Anfang an, dass Gottschalk glaubte, er müsse jetzt etwas völlig Neues anbieten. Finanziell hat er ausgesorgt, er fühlte sich frei und bereit für eine letzte, eine andere Sendung, zu einer anderen Sendezeit, auf einem anderen Sender. Das ist sympathisch, man kann die Haltung auch nachvollziehen, aber sie war emotional begründet und nicht professionell.

So gewinnend, wie Gottschalk sein kann, überzeugte er die ARD-Vorsitzende Monika Piel, ihm täglich eine halbe Stunde nach 19 Uhr zu schenken. In der wollte er leichten Herzens plaudern, auch mit Gästen, wollte die Zuschauer mit Klatsch und Tratsch auf seine Weise entspannen - bevor ihnen in der "Tagesschau" der Ernst des Lebens serviert wird.

Doch das kleine Studio in der Mitte Berlins ist nicht Gottschalks Bühne gewesen, wie überhaupt kleine Bühnen nichts für ihn sind. Alle seine Versuche, etwas Kleineres als die große Samstagabendshow zu etablieren, blieben erfolglos.