Interview mit Ennio Morricone "Playboy" distanziert sich von Autor

Von wegen Lästerei: Tarantino sei ein großartiger Regisseur, erklärt Ennio Morricone auf seiner Homepage.

(Foto: AP)
  • Laut einem Interview des deutschen Playboys soll der Komponist Ennio Morricone über Quentin Tarantino gelästert haben.
  • Morricone selbst bestreitet das jedoch und kündigt rechtliche Schritte gegen das Magazin an.
  • Playboy-Chefredakteur Florian Boitin räumt nun ein, dass das im Interview gesprochene Wort wohl "in Teilen nicht korrekt wiedergegeben wurde".
Von Claudia Tieschky

Filmkomponist Ennio Morricone ist kein Ahnungsloser, wenn er über Quentin Tarantino spricht. Der 90-jährige Italiener (Es war einmal in Amerika) hat mit Tarantino bei The Hateful Eight zusammengearbeitet, für die Filmmusik erhielt er 2016 seinen zweiten Oscar. Deswegen war es ziemlich knackig, was vor ein paar Tagen im deutschen Playboy unter der Überschrift "Quentin Tarantino kann mich mal" zu lesen war. Den Oscar habe er "für diesen blöden Tarantino-Streifen" bekommen, so wird Morricone in dem Interview zitiert, und auf die Nachfrage, ob ihm der Film nicht gefallen habe, ist zu lesen: "Nein, ich mag seine Filme nicht." Dann spricht er noch davon, dass Tarantino ein "absoluter Chaot" sei, "der Mann ist ein Kretin". Eine gewaltige Lästerei mit beträchtlichem Schauwert in der Branche.

Das Problem daran: Morricone bestreitet, diese Sätze je in einem Interview mit dem Playboy gesagt zu haben. Tarantino sei ein großartiger Regisseur, verbreitete er auf seiner Homepage, die Zusammenarbeit mit ihm schätze er sehr, zudem würde er niemals schlecht über die Oscars sprechen. Er kündigte rechtliche Schritte gegen die deutsche Ausgabe des Playboy an. Am Montagabend erklärte ein Sprecher des im Burda-Verlag erscheinenden Magazins zunächst, man wundere sich über Morricones Äußerungen, das Interview habe am 30. Juni 2018 im Anwesen des Komponisten in Rom vor Zeugen stattgefunden.

Am Dienstagnachmittag drückte sich Playboy-Chefredakteur Florian Boitin deutlich defensiver aus. Der freie Autor, der das Interview geführt habe, sei dem Verlag als renommierter und untadeliger Print- und Hörfunk-Journalist bekannt, man müsse "nach jetzigem Kenntnisstand" aber leider davon ausgehen, so Boitin, "dass das im Interview gesprochene Wort von ihm in Teilen nicht korrekt wiedergegeben wurde. Wir bedauern, wenn Herr Morricone dadurch in ein falsches Licht gerückt worden sein sollte. Wir arbeiten weiter an der Aufklärung des Sachverhalts und prüfen rechtliche Schritte." Der Journalist, der gelegentlich auch für die SZ arbeitete, ließ eine Anfrage am Dienstag zunächst unbeantwortet.

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