Moderatorin Sabine Heinrich Frau von morgen

Sabine Heinrich ist eine großartige Moderatorin. Vor allem, weil sie so gar nicht auf die Showtreppe passt. In Nordrhein-Westfalen kennt man ihre Stimme, mag ihre unerschrockene Art. Beim WDR ist sie eine der großen Hoffnungen. Trotzdem steckt sie ein einem Dilemma.

Von Hans Hoff

Eine Frau steht auf einer Kühlerhaube. Mit einer anderthalb Meter langen Eisenstange. Die rammt sie mit Schmackes in die Windschutzscheibe. "Hallo", sagt die Frau, "heute geht es um die Todsünde Zorn." Es ist die erste Szene aus der WDR-Reihe Gewissensbisse, die vom 6. November an bei Einsfestival läuft.

Zorn ist die erste der Todsünden, die unter die Lupe kommt, und daher muss das Auto dran glauben. Natürlich ist es eine ausgemusterte Schrottkarre. Ein neues Auto zur Zerstörung freizugeben, hätte wohl den Etat der kleinen, siebenteiligen Reihe gesprengt. Die Unentschlossenheit passt, denn das, was die Frau mit der Stange demonstriert, hat mit Zorn ungefähr so viel zu tun wie Bambi mit Rammstein. Man weiß, dass da jemand einem Gefühl nachspürt, man weiß aber auch, dass echter Zorn anders aussieht, als da demonstriert. Es liegt an der Frau. Die ist einfach zu lieb.

Man darf so oft Frau schreiben, weil die Protagonistin in Nordrhein-Westfalen am besten bekannt ist mit dieser Gattungsbezeichnung vor dem Nachnamen. Frau Heinrich heißt sie, wenn sie bei der jungen WDR-Welle 1Live am Mikrofon steht und das Land unterhält, das hier Sektor heißt.

Keinen Scheiß erzählen

Im Sektor ist Frau Heinrich eine große Nummer. Man kennt ihre Stimme, man mag ihre unerschrockene Art, man weiß, dass sie, obwohl vormittags im Radio, keinen Scheiß erzählt. Gemerkt hat man das auch im Sender, in dem Sabine Heinrich zu den großen Hoffnungen zählt. Weil sie erst 36 Jahre alt ist, gilt sie als Vertreterin einer neuen Generation, als personifizierte Verjüngung, als eine, die man noch brauchen könnte, wenn die mehrheitlich jenseits der 60 befindlichen WDR-Stammzuschauer nicht mehr die Kraft haben, einzuschalten.

Allerdings tut sich der Sender schwer, mit seiner Hoffnung angemessen umzugehen. Mal hier eine Talkshow in abgelegenen Digitalkanalgefilden, mal dort eine Preisverleihung und nun eben die Gewissensbisse im Einsfestival-Abseits. Frau Heinrich kann vieles und hat doch ihren richtigen Platz noch nicht gefunden.

Nun ist es nicht so, dass Frau Heinrich bei den ARD-Hierarchen, die ständig mangelnden Nachwuchs beklagen, unter dem Radar liefe. Die sehen, dass sie was kann. Umgehen können sie damit nicht. Das zeigte sich besonders, als die ARD 2010 mit Pro Sieben fragte, wer Unser Star für Oslo (USFO) werden könne und dann Lena als Botschafterin für den Eurovision Song Contest fand. Da moderierte Frau Heinrich an der Seite von Matthias Opdenhövel. Eine Offenbarung war das nicht. Die Kecke im Galadress auf glänzender Riesenbühne im Schatten eines schnoddrigen Wegmoderierers, das konnte nur schiefgehen. Eine Showbiene sieht anders aus.

Dementsprechend ist auch die Kritik nicht sehr freundlich mit Frau Heinrich umgegangen. Eine bemühte Popausgabe von Carolin Reiber wurde sie genannt. Das hat sie natürlich getroffen. Damals. Heute weiß sie, dass nicht alles richtig gelaufen ist damals. Dass sie inzwischen manches besser könnte. Trotzdem mag sie die Erfahrung nicht missen, denn für sie gibt es ein Leben vor USFO und eins danach. "Eine Zehnjährige kann mit einem Porsche nichts anfangen", resümiert sie heute.