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Medien und Migration:Mehr Berichte - mehr Sorgen

Supporters of the anti-Islam movement PEGIDA attend a demonstration in Dresden

Pegida-Demonstranten im Oktober 2018.

(Foto: REUTERS)

Eine großangelegte Studie über Migrationsskepsis durch Medien arbeitet überraschende Zusammenhänge heraus.

Die Schweiz im Jahr 2009: Die Bevölkerung befürwortet in einem Referendum, angestoßen von der Schweizerischen Volkspartei, die Ausweisung von kriminellen Einwanderern. Inländische und ausländische Medien berichten über die Ergebnisse der Abstimmung. Kurz darauf in Deutschland: Sorgen und Ängste über Migration und Asyl nehmen zu. Könnte das eine mit dem anderen zu tun haben?

Vier Wissenschaftler aus Österreich, Deutschland und der Schweiz, unter der Leitung des Bayreuther Ökonomen Professor Dr. David Stadelmann, gingen dieser Vermutung nach und veröffentlichten ihre Ergebnisse nun im Journal of Economic Behavior and Organization: Je mehr Medien über Migrationsthemen berichten, desto größer werden die Sorgen in der Bevölkerung. Untersucht wurden dazu im Zeitraum von 2009 bis 2014 insgesamt 363 408 entsprechende Medienberichte von TV-Nachrichtensendungen wie den Tagesthemen und dem heute journal, TV-Magazinen wie Frontal 21 sowie Radionachrichten und Zeitungsberichte. Zusätzlich nutzten die Wissenschaftler Befragungen von 35 200 Einzelpersonen in allen deutschen Bundesländern zu ihren Sorgen und verglichen diese mit dem Umfang der Medienberichterstattung zum selben Zeitpunkt.

Die Ergebnisse sind bemerkenswert: Medienberichte haben einen stärkeren Einfluss auf Frauen, Arbeitslose und ältere Menschen, die sich in Folge der Berichterstattung stärker ängstigen. Anders als man meinen könnte, sorgen sich die Befragten aber weniger um die Konsequenzen der Einwanderung selbst, auch zunehmende Kriminalität oder Arbeitslosigkeit wurden nicht als primäre Befürchtungen genannt. Vielmehr werde eine zunehmende Fremdenfeindlichkeit in der Gesellschaft befürchtet, die das öffentliche Meinungsklima verschlechtern könnte.

Die Sorgen steigen - unabhängig davon, ob der Protagonist positiv oder negativ dargestellt wird

Die journalistische Darstellungsweise prägt das Misstrauen der Bürger ebenfalls: Stehen Immigranten als Protagonisten im Fokus der Berichterstattung, steigen bei den Empfängern Sorgen und Ängste stärker an - unabhängig davon, ob der Protagonist negativ oder positiv dargestellt wird, so die Erkenntnisse der Wissenschaftler. Die Ergebnisse kommen spät dafür, dass der Forschungszeitraum bereits vor fünf Jahren geendet hat. Die Forscher sind sich über die fehlende Aktualität der Studie bewusst, können die Auswahl des Analysezeitraums jedoch begründen: "Während der Flüchtlingskrise haben zusätzlich externe Einflüsse und Ereignisse die öffentliche Meinung beeinflusst, die unserer Studie schwer messbar gewesen wäre. Wir haben uns auf die moderate Berichterstattung vor dem Flüchtlingszustrom 2015 konzentriert", erklärt Stadelmann.

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