Game of Thrones Machtkampfmelange aus dem Drama-Thermomix

Kaltäugiger Fremdling (Abbildung ähnlich): "Game of Thrones" bedient ziemlich jede Furcht zwischen Ehebruch und Apokalypse.

(Foto: AP)

GoT bedient alle Ängste, unter denen man als Bild-Leser oder Diesel-Fahrer so leiden kann. Und ist darin eines der vielen Symbole unserer gespaltenen Welt.

Kommentar von Kurt Kister

Dieses Wochenende ist für viele Menschen in vielen Ländern ungefähr das, was das Wochenende vom 17./18. September 1966 für nicht ganz so viele Menschen in Deutschland war. Im Fernsehen, also in der ARD - viel mehr Fernsehen gab es damals nicht -, lief die TV-Serie "Raumpatrouille" an. Jeden zweiten Samstagabend verfolgten von da an mehr als die Hälfte der Westdeutschen sieben Mal die Abenteuer des Raumschiffes Orion. Die Orion wurde zum Gespräch des Landes. Man suchte Unterhaltung in einer Zukunft, die es nie geben würde. Die einen waren begeistert, und die anderen, natürlich, ereiferten sich über den militaristisch-faschistoiden Charakter der Serie.

Heute suchen viel mehr Menschen von den USA über das chaotische England bis ins stets besorgte Deutschland ihre Unterhaltung in einer Vergangenheit, die es nie gegeben hat. Am Sonntag ist der Verkaufsstart der achten Staffel der Serie "Game of Thrones", die keine Fernsehserie ist, sondern ein visueller Fortsetzungsroman, den man gegen Bezahlung aus dem Netz auf Bildschirme aller Art saugen kann. Ohnehin ist das Fernsehen, jedenfalls so wie es zu Zeiten des Raumschiffs Orion existierte (ein Satz, der fast ein Zeit-Paradoxon ist), tot oder zumindest in einem Zustand, dass es Mittelpunkt einer Serie mit dem Titel "Broadcast Zombies, sie laufen immer noch" sein könnte.

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"Game of Thrones" (von den Aficionados GoT abgekürzt) ist eines der vielen Symbole der auch kommunikativ gespaltenen Gesellschaft. Es gibt jene, die GoT kennen und sehen. Und es gibt die anderen. Die einen haben auf dieses Wochenende gewartet, weil sie endlich erfahren wollen, wer am Ende der Staffel nach welchen Morden und Intrigen auf dem Eisernen Thron sitzen wird. Den anderen ist das völlig egal, und etliche von ihnen werden es für blöd halten, dass über so ein Zeug auch noch auf der Meinungsseite ihrer Zeitung geschrieben wird.

Dabei lässt sich diese Serie bis zur Unkenntlichkeit überhöhen. "Kult" - mittlerweile ein ähnlich zu Tode gerittenes Wort wie "Ikone" oder "Klassiker" - ist sie ohnehin. Ihr Autorenteam verwurstet nicht nur jede Menge Mythologie (Drachen, Götter, Magie), sondern auch alle Ängste, unter denen man als Bild-Leser oder Diesel-Fahrer leiden kann: kaltäugige Fremdlinge, bedrohliche Religionen, Messerstecher jeder Art. Das Ganze wird unter Zugabe Shakespeare'scher Motive, mittelalterlicher Dynastieverwirrungen und einer gehörigen Prise Spielberg-Technik in einem Drama-Thermomix zusammengerührt. Das ergibt eine spannende Blut- und Machtkampfmelange, die zwischen Ehebruch und Apokalypse alles bereithält. Wer solchen Eskapismus mag, ist begeistert. Man kann es aber auch für blutrünstigen Quatsch halten.

GoT ist auch ein Zeichen dafür, wie sehr sich die Welt seit der "Raumpatrouille" verändert hat. Trotz Bollywood und des wackeren deutschen Fernsehens dominiert die US-Digitalindustrie immer mehr die globale Wahrnehmung dessen, was "man" sehen will. Die Franzosen halten dagegen, und viele Engagierte, zumal in Europa, propagieren standhaft eine andere Wahrnehmungskultur. Ihre Erfolgsaussichten sind dabei so groß wie die der Nachtwache in GoT: Der Winter kommt, die Mauer im Norden ist gefallen, und die Barbaren bringen immer mehr Serien.

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