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Podiumsdiskussion beim MDR:Zu extrem

Merkel besucht Chemnitz

Auch Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig sagte ihre Teilnahme an der Podiumsdiskussion ab.

(Foto: picture alliance/dpa)
  • Ein Jahr nach den Ausschreitungen in Chemnitz lädt der MDR zu einer Podiumsdiskussion.
  • Nach Protesten sagt erst Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig ihre Teilnahme ab, dann streicht der Sender die Veranstaltung.
  • Grund ist ein zweifelhafter Gast: der Rechtsextreme Arthur Österle.

Fast ein Jahr ist es her, dass in Chemnitz Daniel H. starb. Getötet, mutmaßlich durch zwei Asylbewerber. Rechtsextreme Hooligans hatten den Tod instrumentalisiert, es kam zu Ausschreitungen. Auch die rechtsextreme Partei Pro Chemnitz sowie die AfD riefen zu Demonstrationen auf. Aus diesem Anlass plante der MDR eine Podiumsdiskussion, es sollte um die heutige Situation in der Stadt gehen. Dazu hatte der Sender auch den Rechtsextremen Arthur Österle eingeladen.

Als es daraufhin in Sozialen Netzwerken zu Diskussionen kam, sagte erst Margarete Rödel von der Grünen Jugend ihre Teilnahme ab, später auch die Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD). Österle, Rödel und Ludwig sind Protagonisten der MDR-Dokumentation "Chemnitz - Ein Jahr danach", die an dem Abend vorgestellt werden soll. Aufgrund des Rückzugs entschied sich der Sender, den anderen Diskussionsteilnehmern abzusagen. Aus Sicht des MDR ist die "gewollte Konstellation nicht mehr sinnvoll umzusetzen. Wir haben natürlich die kontroverse Debatte um die Besetzung des Podiums verfolgt und auch als wichtige Diskussion wahrgenommen", sagte Programmdirektor Wolf-Dieter Jacobi. Der Film wird jedoch wie geplant am 22. August in Chemnitz gezeigt.

Die Dokumentation "Chemnitz - Ein Jahr danach" geht dem MDR zufolge der Frage nach, "wie sich das Leben für die Menschen in der Stadt nach den umstrittenen Vorfällen und der Medienberichterstattung Ende August 2018 verändert hat". Der Film lasse Menschen aus verschiedensten Lebenswelten zu Wort kommen und zeige deren Alltag, hieß es. Dazu gehört auch Arthur Österle, der in der Vergangenheit Verbindungen zu rechtsextremen Gruppen pflegte, etwa zur Neonazi-Partei "Dritter Weg". Der MDR hatte Österle in der Ankündigung für die Dokumentation als Chefordner der rechtsextremen Pro Chemnitz vorgestellt. Heute soll Österle mit der AfD sympathisieren. Die Oberbürgermeisterin sei nicht davon ausgegangen, dass der MDR sie auf ein Podium platziert, an dem ein Neonazi teilnimmt, sagte der Chemnitzer Stadtsprecher Matthias Nowak.

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