Max von Thun:jenseits des Bewährten

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Der Münchner gehört schon einer Generation an, für die das Fernsehen immer bedeutungsloser wird, weil es die Menschen seiner Altersgruppe nicht mehr anspricht, weil es oft zu belanglos und mutlos ist. Er selbst schaut in seiner Wohnung an der Isar gemeinsam mit seiner Freundin lieber DVDs an: amerikanische Filme, Klassiker, Dokumentationen. Seine Bewunderung gilt Schauspielertypen wie Steve McQueen, Spencer Tracy, George Clooney, oder Regisseuren wie den Coen-Brüdern.

"Dominik Grafs Serie Im Angesicht des Verbrechens über die Berliner Russen-Mafia habe ich mir an zwei Abenden reingezogen, da kann ich nicht warten, bis die nächste Folge läuft." Es ist eine Generation, die sich das Programm nicht mehr vorschreiben lässt, die es aktiv gestaltet - genauso wie der Schauspieler Max von Thun nicht jede Rolle annimmt und Klischees aus dem Weg geht. "Manche Drehbücher kriege ich schon gar nicht mehr zugeschickt, die Produzenten wissen wohl, dass mich die nächstbeste Pilcher-Verfilmung nicht interessiert." So was sagt sich natürlich leicht, wenn gerade die passenden Angebote vorliegen.

Bei seinem Vater hat er erlebt, wie es sein kann, auf ein Rollenmuster festgelegt zu sein. Friedrich von Thun spielt im Fernsehen meist den charmanten Aristokraten, den klugen Professor, manchmal auch den eleganten Altplayboy, so funktioniert Fernsehen eben, es ist die Wiederholung des Bewährten. "Er kriegt nun mal diese Gentleman-Rollen. Dabei lechzt er danach, mal einen Obdachlosen spielen zu dürfen", sagt sein Sohn. Glücklicherweise habe sein Vater lauter Filme gedreht, für die er sich nicht schämen müsse - nicht mal für seine Auftritte als Reporter im Schulmädchenreport.

Siebziger-Jahre-Erotik könne sehr komisch sein, sagt Max von Thun, der seinen Vater gelegentlich mit alten DVDs aus grauer Vorzeit beschenkt, die dieser wiederum mit stoischer Gelassenheit entgegennimmt. Jugendsünden? Nein, dazu sind diese Sex-Klamotten viel zu harmlos, und Friedrich von Thun spielte damals ohnehin nur einen Reporter, der seine Hosen anlassen darf.

Das neckische Spielchen zwischen Vater und Sohn geht vielleicht auch ein wenig darum, wer gerade erfolgreicher ist in diesem unsteten Beruf, in dem nach jedem Erfolg immer gleich die Leere droht, das Warten auf die Rolle, die mehr ist als ein Job. Momentan muss sich zumindest einer von beiden da keine Sorgen machen. Max von Thun beherrscht die Kunst, gelassen zu bleiben, das hat er wohl auch vom Vater, und der Münchner Stenz in ihm weiß genau: Ein bisserl was geht immer.

Trau niemals deinem Chef, ZDF, 20.15 Uhr.

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