Max von Thun:Überraschender Tiefgang

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Wenn man sich mit dem Filmemacher Hans Geißendörfer unterhält, erfährt man erstaunliche Dinge über den vermeintlichen Fernseh-Leichtfuß. Geißendörfer hatte vor der Besetzung für seinen Sucht-Film nur so ein vages Gefühl. "Die meisten Schauspieler waren einfach zu dick für die Rolle, der Max hatte die ideale Oberfläche, sehr lang, sehr dünn. Das ist für einen Junkie natürlich sehr günstig." Es gab im Team die Sorge, Max von Thun könne doch nicht genügend Tiefgang haben für so eine Hauptrolle, aber dann habe er alle überrascht mit seiner Hingabe.

"Der hat die Bewegungen der Suchtkranken genau studiert. Er war in der Reha-Klinik, hat mit ihnen Schach gespielt und am Ende auch kapiert, wie das wirkt, wenn Menschen die Kontrolle über ihre Motorik verlieren. Wenn sie sich dabei abmühen, einen Teller Suppe entgegenzunehmen." Der Gang, die Schmerzen, die Wut, alles habe gepasst, auch der ausgemergelte Körper, denn bis zum letzten Drehtag habe Thun strenge Diät gehalten: "So was machen sonst nur amerikanische Profis", sagt Geißendörfer. "Ich finde es wunderbar, dass Max seine andere Seite entdeckt."

Thun selbst wirkt sehr zurückhaltend, oft zweifelnd im Gespräch, er will keinen Wind um sich machen, obwohl Bescheidenheit früher nicht gerade seine Stärke war. "Greatest Hits" hieß sein erstes Album als Sänger und Gitarrist, dafür engagierte er gleich ein Dutzend Profimusiker, um auf der Bühne auf Kosten der Plattenfirma ordentlich Party zu machen, um mit dem Publikum zu spielen, was ja noch immer seine Lieblingsbeschäftigung ist, ganz egal, ob Kino oder Fernsehen, Hauptsache, möglichst viele Leute schauen hin. Und gespielt hat er in diesem Jahr schon viele Charaktere: Künstler, Bauunternehmer, Meisterdieb, Marketingmanager, meist mit einem gewissen Schlag bei den Frauen, das nimmt man ihm ab. Das Düstere, Desperate musste er sich dagegen erst erarbeiten.

Der Graf als Kronrpinz

Ein Wendepunkt war wohl die Rolle des österreichischen Kronzprinzen Rudolf, einziger Sohn der berühmten Sissi. Mit dieser Rolle machte der adlige Schauspieler Ende 2006 Schlagzeilen zwischen Wien und Salzburg: Jeder Schritt, jeder melancholische Blick, jede Gefühlsregung war Anlass für Kommentare im ORF-Orbit, die 11-Millionen-Euro-Produktion unter der Regie von Robert Dornhelm bewegte ganz Österreich, aber die Zuschauer waren mit Max von Thuns Darstellung dann doch zufrieden: "Wir hatten 45 Prozent Marktanteil, unfassbar für deutsche Verhältnisse."

In Deutschland schrumpfte der Historien-Zweiteiler zu einer 90-Minuten-Fassung zusammen, weil man den Zuschauern offenbar keinerlei Interesse an den politischen Hintergründen der k.u.k-Monarchie zutraute. Max von Thun ärgert das bis heute sehr: "Die ARD hat das Ding brutal zusammengeschnitten, die haben daraus eine reine Liebesgeschichte gemacht. Ich find' das sehr schade."

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