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Markus Schächter im Gespräch:"Das ZDF ist wieder auf Kurs"

ZDF-Intendant Markus Schächter über ein schweres Jahr, Wunden, eine Programmreform 2011 und seine Zukunft.

SZ: Herr Schächter, was hat das ZDF dem vom Verwaltungsrat geschmähten früheren Chefredakteur Nikolaus Brender zu verdanken?

Markus Schächter, Foto: dpa

"Mein Sohn wird nicht Intendant".

(Foto: Foto: dpa)

Markus Schächter: Die klare Haltung eines unabhängigen Publizisten und eines professionellen Journalisten. Eine präzise Vorstellung von der Zukunft der Information in einer digitalen Welt und ein ökonomisches Mitdenken, das uns sehr geholfen hat.

SZ: Reden Sie sich da eine für Sie sehr brisante Personalie schön?

Schächter: Brender, das wusste man, als er vom WDR kam, ist kein einfacher Mensch. Mit seinen ambitionierten Zielen ist er immer auch ein hartes Gegenüber gewesen, ein knorriger, selbstbewusster Denker, besessen von seiner Vorstellung, das beste Informationsprogramm zu realisieren.

SZ: Brenders Nachfolger Peter Frey ist ein offenbar verträglicher Mensch. Wird er ein Konsenschefredakteur, geduldet vom Verwaltungsrat, von Ihnen in der Not nominiert?

Schächter: Alles falsch - Peter Frey ist jetzt schon der Typ des außergewöhnlich respektierten Chefs, mit dem man gemeinsam lange Wege gehen will. Konziliant und zielstrebig, kollegial und entscheidungsfreudig, sehr unabhängig.

SZ: Die Ablehnung Brenders durch den auch mit Ministerpräsidenten wie Roland Koch (CDU) besetzten Verwaltungsrat hat Ihnen eine Führungskrise und dem Sender eine Glaubwürdigkeitskrise gebracht. Selten wurde der Zugriff der Politik auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk deutlicher. Hätten Sie, mit den heutigen Einsichten auf die Abläufe, etwas anders machen können?

Schächter: Ich hatte Brender vorgeschlagen. Der Vorschlag ging nicht durch, das habe ich zu akzeptieren. Das Jahr hat Kraft gekostet, aber der Weg war ohne Alternative. SZ: Die unterschiedlichen Interessen der Politiker auszugleichen, ist Teil Ihres Alltags. Hat Sie trotzdem die Brutalität überrascht, mit der Koch und die Unionsmehrheit im Verwaltungsrat ihre Interessen durchgesetzt haben?

Schächter: Ich hatte guten Grund zur Annahme, dass sich eine einvernehmliche Lösung erreichen lässt. Das ist nicht eingetreten.

SZ: Sind Sie Brender dankbar, weil an seinem Beispiel sichtbar wurde, dass Staatsferne nur im Staatsvertrag steht? Schächter: Der Verwaltungsrat hatte nach den Regeln die Möglichkeit, meinen Vorschlag abzulehnen. Das hat er getan. Ich habe unmittelbar danach die Handlungsfähigkeit des Senders gesichert. In einer kurzfristig einberufenen Sondersitzung hat das Gremium meinen Vorschlag, Peter Frey zum neuen Chefredakteur zu berufen, einstimmig angenommen. Ich habe zweitens die Politik aufgefordert, für klare Rechtsgrundlagen zu sorgen. Der ZDF-Staatsvertrag wird jetzt vom Bundesverfassungsgericht geprüft. Es wird eine Klärung geben.

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