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Letzter "Polizeiruf 110" mit Kommissar Krause:Die unerträgliche Langsamkeit des Seins

Polizeiruf 110; Maria Simon und Horst Krause

Abschiedsschmerz? Hält sich nach dem letzten gemeinsamen Fall von Lenski (Maria Simon) und Krause (Horst Krause) in Grenzen.

(Foto: rbb/Oliver Feist)

Dynamik oder Spannung? Wollen die "Polizeiruf"-Autoren ihrem Kommissar Krause bei seinem letzten Fall nicht zumuten. Nach 17 Jahren verweigern sie ihm einen würdigen Abschied.

Eine Landstraße, von Bäumen gesäumt. Ein einsames Auto nähert sich. Im Hintergrund spielt ein Chanson, Serge Gainsbourg singt vom Abschied einer Liebe. Man ahnt: Es wird kein gutes Ende nehmen mit dem Fahrer der schwarzen Allzwecklimousine.

Das liegt natürlich nicht am Wagen, der stammt von einem deutschen Autobauer und ist vermutlich so intelligent, dass er dem Fahrer sämtliche menschlichen Dummheiten ausreden könnte. Wenn er denn darauf programmiert wäre. Aber ein Fahrzeugtechniker denkt nun mal nicht wie ein Fernsehkrimiautor - und was nützt ein Kollisionsvermeidungsassistent, wenn einer auf den großen Knall aus ist? "Ich habe alles verloren, was mir wichtig war", sagt der Mann im Auto, "alles. Nichts ist mehr zurückzuholen." Und lädt seine Pistole durch.

So beginnt der letzte Polizeiruf 110 aus Brandenburg mit dem Ermittlerduo Krause und Lenski (Maria Simon). 17 Jahre lang hat Horst Krause Horst Krause gespielt - man sollte meinen, da hat sich einer so verdient gemacht, dass ihm ein würdiger Abschied auf den Leib geschrieben wird, um den das Polizeileder seit jeher spannt. Aber der letzte Fall mit dem Titel "Ikarus" könnte auch "Die unerträgliche Langsamkeit des Seins" heißen.

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Alles anders beim "Polizeiruf" aus Brandenburg: Zum Jahresende wechselt Kommissarin Olga Lenski nach Frankfurt (Oder) - und bekommt einen neuen Partner. Mit dem soll sie künftig grenzübergreifend ermitteln.

Geredet wird auch nur das Nötigste

Dynamik oder Spannung? "Nicht dass Krause kurz vor der Pensionierung noch einen Herzanfall bekommt", werden sich die Autoren gedacht haben. "Machen wir lieber was mit ausgeruhten atmosphärischen Szenen, mit Krankenhausfluren und Industriehallen, schön schummrig." Nach der ersten Szene läuft die Geschichte wie auf Tempomat, dieser Polizeiruf hat die Geschwindigkeit eines Rollators.

Geredet wird auch nur das Nötigste, selten waren sämtliche Protagonisten in einem nicht-skandinavischen Krimi so mundfaul. Nicht mal eine Leiche gibt es (zumindest bis Minute 85). Stattdessen: einen jungen Mann, der aus einem gelben Doppeldeckerflugzeug fällt, aber schwerverletzt überlebt. Ein Unfall? Dagegen spricht die Tasche mit 750 000 Euro, die später in der Maschine gefunden wird. Und wie gesagt: Dann ist da ja noch der Mann mit der scharfen Waffe vom Anfang.

Von dem wissen natürlich Krause und Lenski noch nichts, nur der Zuschauer - das macht den Plot aber auch nicht besser. Vielleicht das nächste Mal etwas mit einem mordlüsternen Kollisionsvermeidungsassistenten?

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