Künftig mehr "Tagesschau"-Ausgaben "Permanent unter Dampf"

Weil das ZDF die traditionelle Kooperation aufgekündigt hat, wird es von Januar an mehr "Tagesschau"-Ausgaben in der ARD geben. Doch für mehr Personal in den Redaktionen ist kein Geld da.

Von Rene Martens

"Wir schaffen das aus dem Stand", sagt Thomas Hinrichs, der Zweite Chefredakteur von ARD-aktuell und somit zuständig für die Tagesschau. Von Januar an muss die in Hamburg beim Norddeutschen Rundfunk untergebrachte Redaktion zusätzliche Ausgaben der Nachrichtensendung um neun, zehn und zwölf Uhr produzieren. Das haben die Intendanten vor 14 Tagen beschlossen.

Sie lächeln - wie hier Linda Zervakis - nun immer öfter und demnächst besonders gerne vormittags zwischen neun und zwölf: die Nachrichtensprecher der ARD. Weil das ZDF nicht mehr kooperieren mag, werden mehr Tagesschau-Ausgaben produziert. Intern soll sich das kaum bemerkbar machen.

(Foto: NDR/Dirk Uhlenbrock)

Mitte November wurde beim ZDF entschieden, die traditionelle Kooperation mit der ARD aufzukündigen. Bis dahin galt, dass für die Nachrichtensendungen der Vormittage der öffentlich-rechtliche Sender zuständig ist, der in der jeweiligen Woche das gemeinsame Morgenmagazin ausstrahlt.

Für die Konkurrenz auf dem Nachrichtenfeld wähnt sich die Spitze von ARD-aktuell gut gerüstet. Neulich, beim Rücktritt des FDP-Generalsekretärs Christian Lindner, der kurz vor zehn Uhr bekannt wurde, war ARD-aktuell schneller als die Kollegen vom Zweiten. Man kann sich natürlich fragen, ob das vom Zuschauer so wahrgenommen wird.

Die vorhandene Nachrichtenproduktionsstruktur von ARD-aktuell, sagt Thomas Hinrichs, sei "hochsynergetisch", das Tagesschau-Studio ohnehin "permanent unter Dampf". Wochentags zwischen 9 und 20 Uhr stellt ARD-aktuell für den Digitalkanal EinsExtra die Dauersendung EinsExtra aktuell her, die aus 15-minütigen News besteht. Diese werden zusätzlich im Internet gestreamt (eins-extra.de), sie sind außerdem über tagesschau.de abrufbar.

Werktags 44 News-Sendungen

Bisher zeigt EinsExtra aktuell zur vollen Stunde dieselbe Tagesschau, die im ARD-Programm zu sehen ist - sofern eine Tagesschau eingeplant wurde. Die übrigen, anmoderierten Ausgaben heißen Tagesschau im Viertelstundentakt.

Ähnlich wie beim Inforadio gibt es zu festgelegten Zeiten Meldungen zu speziellen Themen (Wirtschaft, Sport). Da auch in der neuen, vom ZDF erzwungenen Lage zu den insgesamt 44 Nachrichtensendungen, die ARD-aktuell an jedem Werktag ausspielt, keine weitere hinzu kommt, findet Hinrichs es irreführend, von zusätzlichen Ausgaben zu sprechen. Es gebe in den ZDF-Wochen zwar drei zusätzliche Tagesschauen im Ersten, aber intern ändere sich kaum etwas.

Aufgrund der Umstellung am Vormittag werde auch nur ein Redakteur zusätzlich benötigt: Für die "Betreuung der Korrespondentenberichte, die es an dieser Stelle auf EinsExtra nicht gegeben hat", erklärt Hinrichs. Von der neuen Entwicklung sei er im übrigen nicht begeistert, "weil wir personell auf Kante genäht sind". Bei tagesschau.de wäre eine inhaltliche und strukturelle Verbesserung nötig. Angesichts sinkender Etats für klassisches TV (weil u. a. Mediatheken, Online-Portale, Apps finanziert werden müssen) ist so eine Investition derzeit nicht vorstellbar.