bedeckt München 20°

Kommissarin für Dortmund-Tatort:Schweißausbrüche vor jedem Take

Sie sagt, sie finde es "ein bisschen schade, dass es derzeit praktisch nur Krimis im deutschen Fernsehen gibt". Dass dieses Format so unglaublich präsent ist bei uns, das sei schon seltsam. "Ich würde auch sehr gerne mal wieder ein schönes Fernsehspiel lesen. Mal wieder etwas ohne Tote. Das letzte Jahr war ein Jahr voller Leichen für mich."

Jörg Hartmann

Vier Ermittler umfasst das Dortmunder Team. Neben Schudt und Aylin Tezel spielt Jörg Hartmann die Hauptrolle. Der vierte im Bunde wird noch gesucht.

(Foto: dpa)

Bei aller Distanz, die sich Anna Schudt offenbar bis heute zum Arbeitsplatz Fernsehen bewahrt hat - von ihrem Tatort-Projekt sagt sie nur Gutes. Jörg Hartmann kennt sie schon von der Berliner Schaubühne, wo sie kurzzeitig auch engagiert war, bevor es sie dann ziemlich schnell nach München zurückdrängte. Die Darsteller seien, sagt sie, über lange Zeit bei der Entwicklung der Rollen dabei gewesen. "Ich finde das wunderbar, das Projekt ist schließlich auch etwas, das länger gehen soll." Sie muss das natürlich sagen. Andererseits hat man auch nicht gerade das Gefühl, dass Anna Schudt dazu neigt, die Dinge toller klingen zu lassen, als sie sind.

Dass Fernsehrollen auch frustrieren können, das hat sie 2006 gelernt. Damals übernahm sie im ZDF eine Rolle in der Serie Der Kriminalist. Christian Berkel spielt darin seit Staffel eins die Hauptrolle, Schudt trat zu Beginn der Serie gemeinsam mit dem inzwischen verstorbenen Frank Giering als Berkels Kollegin auf. Nach nur einer Staffel stieg sie wieder aus.

In dem Dreierteam hätten sie und Giering dann "von der Konzeption her nicht so zu tun gehabt, wie ich mir das vorgestellt hatte", sagt sie. Sie sei unterfordert gewesen und nicht froh. "Das Schlimmste war, dass ich mir diese Texte nicht merken konnte. "Infotexte" nennt sie das - Sätze also, die zwar die Handlung vorantreiben, aber keine Figuren entwickeln. Sie habe noch nie Textangst gehabt, aber beim Kriminalist habe sie vor jedem Take Schweißausbrüche gekriegt.

"Ich konnte es mir einfach nicht merken: An welchem Bankautomaten wurde wer wann gesehen?" Sie hatte, so darf man das wohl verstehen, keine Lust, sich verschwenden zu lassen.

Frustrationsgrenzen kennengelernt

Anna Schudt hat die Serie also verlassen, ebenso wie 2001 die Schaubühne, wo sie auch nicht glücklich wurde. Sie ist, ganz offensichtlich, ein Mensch, der seine Frustrationsgrenzen erkennt und dann schnell bereit ist, Schlüsse zu ziehen. Sie habe gelernt, in die Aktion zu gehen, wenn ihr etwas nicht gefällt, sagt sie. "Ich glaube aber auch, dass man als junger Mensch eher bereit ist, seine Zeit mit Leiden zu verschwenden, als wenn man älter wird."

Ein bisschen gespannt sein darf man also schon, wie sich das mit Schudt und dem Tatort entwickeln wird. Vier Ermittler umfasst das Dortmunder Team, neben Schudt und Hartmann tritt Aylin Tezel auf, der vierte wird noch gesucht. Auch Anna Schudt sagt, dass Hartmann in diesem Team "unbenommen" der Chef sei. Sie wird einmal mehr ihre Rolle einer anderen unterordnen.

Wenn man Anna Schudt richtig versteht, hat sie in ihrem Berufsleben nicht sehr viel kämpfen müssen. Mit 16 bewarb sie sich an der Schauspielschule, als sie sofort genommen wurde, brach aber ab. Ihre Eltern ließen sie ziehen, vom Dorf in der Nähe von Konstanz nach München. Ihr Vater hat ihr kürzlich davon erzählt, wie sie es mit flammenden Reden geschafft habe, ihre Eltern von diesem Plan zu überzeugen. Man glaubt sofort, dass sie das konnte.

Irgendwann, klar, will Anna Schudt auf die Bühne zurück. In München aber hat sich seit ihrem Abschied viel verändert, der Intendant Dieter Dorn hat das Residenztheater im Sommer verlassen, sein Nachfolger Martin Kušej neue Schauspieler mitgebracht.

Die Liebe zum Theater, sagt sie, werde zum richtigen Zeitpunkt wieder aufflammen. Von Liebe hat sie beim Tatort noch nicht gesprochen.

"Tatort": Fälle und Ermittler

Schnüffler mit Charisma