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Medienkolumne "Abspann":"Hast du ein Problem?"

Gut auf Interviews vorbereitet: Bodybuilder nach dem "Crashkurs Journalismus" bei Late Night Berlin.

(Foto: Pro Sieben)

Klaas Heufer-Umlauf eröffnet eine Journalistenschule für Bodybuilder - und schickt den ersten Jahrgang gleich zur Corona-Demo in Berlin. Über ein funkelndes Stück Fernsehen.

Von Cornelius Pollmer

Der hauptberufliche Moderator Klaas Heufer-Umlauf weiß sehr gut zwischen den Arbeitsfeldern Entertainment und Journalismus zu unterscheiden, das zeigt schon die ziemlich große Belustigung, mit der er einmal von einem Engagement des mehrfachen Beinahe-Weltmeisters Axel Schulz erzählte. Schulz sei als Reporter beim Promiboxen von RTL im Einsatz gewesen und er hätte es dort vollbracht, ein komplettes Interview mit nichts als folgendem Einstieg zu bestreiten, der ja noch nicht einmal eine Frage gewesen war: "Sag mal deine Sachen."

Kräftige Männer und Journalismus, diese unterforschte Versuchsanordnung ist seit Montag um ein lustiges Kapitel reicher. Klaas Heufer-Umlauf ist diesmal direkt beteiligt, mehr noch, er ist Urheber dieses Kapitels. Für die erste Ausgabe seiner Sendung Late Night Berlin nach der Sommerpause hat er einen Einspieler produziert, in dem er an der "Heufer-Umlauf Journalistenschule" drei Bodybuilder in einem "Crashkurs" zu Journalisten ausbildet, um sie dann umgehend auf die Corona-Demo nach Berlin zu schicken.

Das Warum dieser Idee ist im Grunde komplett egal, erläutert wird es im Begleittext dennoch. Zunächst wird in dem Beitrag die zunehmende Feindlichkeit gegenüber Journalisten illustriert, dann heißt es: "Zugegeben, Journalisten tragen meistens eine Brille, sind eher schmächtig und haben kaum Muskeln. Wenn Journalisten nicht stärker werden, muss ich bereits starke Menschen zu Journalisten machen ... aus einem Hardgainer mache ich den neuen Henri Nannen."

Haben Sie Angst vor diesem Mann?

Die drei Muskel-Männer des ersten Jahrgangs kommen ohne Vorerfahrungen ("Artikel hab ick noch nie jeschrieben, aber Trainingspläne hab ick schon Hunderte jeschrieben"), doch sie kommen auch ohne Furcht. "Haben Sie Angst vor diesem Mann?", fragt Heufer-Umlauf, nachdem er ein Bild von Claus Kleber aufgelegt hat. Reaktion im Klassenzimmer: mildes Lachen. "Was ist beispielsweise eine geschlossene Frage?", fragt Heufer-Umlauf, um den eben gelehrten Unterschied zu offenen Fragen abzuklären. Reaktion im Klassenzimmer: "Eine geschlossene Frage - hast du ein Problem?" Ja, das ist korrekt, nein, hoffentlich hat hier auch weiterhin niemand ein Problem.

Den ganzen Rest schaut man besser, als nur davon zu lesen, inklusive der offenen Fragen, wie man am besten wahlweise die Grundrechte oder den eigenen Bizeps definiert. Von den echten Corona-Demos werden echte Journalisten auch weiterhin mit echten Recherchen berichten. Für die falschen und überforderten Journalisten von Heufer-Umlaufs improvisierter School of Hard Knockouts aber darf eine Losung gelten, die der Moderator am Ende des Beitrags ausgibt. Man bekommt ja auf den Straßen des Landes wirklich zunehmend erstaunliche Abenteuer zu hören, selbst wenn man ganz normale Fragen stellt. Die Idee Heufer-Umlaufs und seiner Hantel-Redakteure ist da bestechend: "Wenn man nur Scheiß-Antworten kriegt, dann gibt's ab jetzt eben auch nur Scheiß-Fragen. Der Journalist schlägt zurück!"

© SZ/tmh/ebri

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