Kiefer Sutherland in "Touch" Allmächtig wie ein Kind

Kiefer Sutherland war in "24" der brutale Agent - in der neuen Serie "Touch" ist er vor allem als Vater beschäftigt. Mit seinem vom Tod der Mutter traumatisierten Sohn Jake lernt er, mit Superkräften das Erdentreiben zu beeinflussen. ProSieben zeigt das Spektaktel nun kurz nach der Premiere im US-Fernsehen.

Von Max Scharnigg

Ein Wagnis ist es in der Branche, einen Schauspieler, dessen Gesicht schon mit einer erfolgreichen Serie verbunden ist, gleich noch mal zum Hauptdarsteller einer Serie zu machen. Im Fall von Kiefer Sutherland wird die Skepsis besonders groß gewesen sein, quälte er sich doch äußerst eindrücklich und stets sehr nah an der Kamera acht Staffeln lang durch das Echtzeit-Epos 24. Trotzdem steht er nun im Mittelpunkt eines neuen TV-Periodikums namens Touch. Die guten Einschaltquoten für den Pilotfilm gaben wohl den Ausschlag und ließen den Sender Fox umgehend die ersten 13 Episoden in Auftrag geben.

Seine Mutter kam im World Trade Center um, Jake (David Mazouz, r.) ist traumatisiert, aber er entwickelt daraus auch ein Genie, das die menschliche Logik übersteigt. Vater Martin (Kiefer Sutherland, r.) hat viel Mühe zu verstehen, was im Kinderzimmer vorgeht.

(Foto: obs)

Interessant für die deutschen Zuschauer ist dabei, dass Touch ungewöhnlich nah an der amerikanischen Serienpremiere Mitte März auch bei Pro Sieben ausgestrahlt wird. Das übliche jahrelange Warten auf die großen US-Serien ist also kein unvermeidliches Übel, es geht auch schneller. Touch kommt aus der Feder von Tim Kring, der vor allem mit dem Mystery-Spektakel Heroes (NBC) bekannt wurde und der die dort entwickelte Art Geschichten zu erzählen jetzt relativ nahtlos fortsetzt.

Im Mittelpunkt stehen Martin Bohm (Kiefer Sutherland) und sein elfjähriger Sohn Jake (David Mazouz), der an totalem Mutismus leidet, einer Sprachstörung und Sozialphobie, die meistens durch ein Schockerlebnis ausgelöst wird - in diesem Fall den Tod von Jakes Mutter im Nordturm des World Trade Centers.

Seine Welt: Zahlen, Raum, Zeit

Seitdem spricht das Kind nicht und lässt sich nicht berühren, entwickelt aber, wie es sich für Autisten im Fernsehen zwingend gehört, ein geheimnisvolles Genie. Der junge Jake hat ein phänomenales Talent, die Welt in Zahlen wahrzunehmen und damit sogar die Grenzen von Zeit und Raum zu verbeulen.

Vater Martin, ehemals Journalist und als gehetzter und verzweifelter Alleinerziehender nunmehr mit Gelegenheitsjobs ausgestattet, hat seine liebe Not, dem schwierigen Sohn dabei zu folgen und ansatzweise zu verstehen, was im Kinderzimmer vor sich geht. Wie bei Heroes setzen gleichzeitig mit dieser Kerngeschichte etliche Zusatzhandlungen an anderen Schauplätzen rund um die Welt ein, was die kleine und relativ schematisch abgehandelte Vater-Sohn-Geschichte auf ein gewaltiges Fundament stellt - und sei es auch nur eines, an dessen Zusammenhängen die Zuschauer ausdauernd rätseln.

Für den Kraftakt, das große Personal und die vielen Orte zusammenzubringen, hat Tim Kring zwei Methoden. Einmal ist das eine unerschütterliche Dreistigkeit, nicht ganz plausible Vorgänge walten zu lassen. Etwa wandert im Pilotfilm, den Pro Sieben schon vor dem eigentlichen Serienstart gesendet hat, ein Handy durch die halbe Welt - und es erfüllt an jedem Ort einen anderen unglaubwürdigen Zweck, zum Beispiel als Teil eines Bombengürtels in Bagdad. Zum anderen ist das mystische Wirken des blitzschnellen Kindergenies und die Magie der Zahlen ein recht williges Instrument, um allerhand Seltsamkeiten unerklärt geschehen zu lassen.

Ständig ereignen sich also die unwahrscheinlichsten Zufälle, die Ordnung der Dinge wird nach Belieben aufgehoben, dazu springt die Geschichte zwischen den Orten und Handlungssträngen. Die Dynamik, die dabei entsteht, ähnelt der bei Heroes, wo auch ganz unscheinbare Menschen lernten, mit ihren Superkräften das große Ganze des Erdentreibens zu beeinflussen. Dieses Schicksal, der Zuschauer ahnt es, blüht auch dem kleinen Jake und seinem staunenden Vater.

Touch, Pro Sieben, montags, 21.15 Uhr.

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