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Kaufgerüchte:Bloomberg flirtet mit der "Financial Times"

Financial Times

Financial Times: Fachblatt für Londons Banker.

(Foto: dpa)

Er hat eine Finanzagentur, eine Nachrichten-Gruppe inklusive TV-Sender - und ist Bürgermeister von New York: Der Multimillionär Michael Bloomberg soll an der "Financial Times" interessiert sein.

Ausgerechnet die Nachrichtenagentur Bloomberg meldete vor einige Wochen: Der Verlagskonzern Pearson will die Wirtschaftszeitung Financial Times verkaufen. Der Verlag setzt hauptsächlich auf Bildungsliteratur. Damals dementierte Pearson scharf.

Doch nun positioniert sich ein neuer Käufer: Eben der Gründer der gleichnamigen Agentur, Michael Bloomberg, der außerdem Bürgermeister von New York ist. Die New York Times berichtet, dass er ein Interesse an einer Übernahme habe.

Im Oktober besuchte Bloomberg die Londoner Zentrale der FT. Auf die Frage eines Redakteurs, ob er das Blatt kaufen würde, antwortete Bloomberg nur lässig: "Ich kaufe sie jeden Tag." Bloomberg gilt als treuer Leser der Zeitung und vor allem auch des Magazins Economist, dessen Anteile zur Hälfte mit zur "Financial Times"-Gruppe gehören.

Doch sein Interesse als Leser steht seinem Interesse als Geschäftsmann entgegen: Zum einen sind ihm die Anteile am Economist zu gering: "Du hast keine Kontrolle. Warum solltest du das wollen?", bekannte Bloomberg laut New York Times auf einer Party in der vergangenen Woche. Zum anderen mehren sich in seinem Unternehmen die Stimmen, die lieber in zukunftsträchtige Online-Produkte wie das Business-Netzwerk Linkedin investiert wollen als in Print-Produkte.

Journalisten im Konzern betrachten die Financial Times jedoch als eine willkommene Ergänzung zu den Bloomberg-Terminals. Mit diesen fährt der Konzern den Großteil seiner Gewinne ein: 85 Prozent des Umsatzes stammen von den Computern, die die Händler an der Wall Street per Standleitung mit den neuesten Finanzdaten versorgt. Redakteure von Bloomberg sehen in einem Zukauf der FT die Chance, auf deren Seiten in Zukunft mehr Platz für Geschichten abseits des nachrichtengetriebenen Tagesgeschehens zu haben. Leitartikel und Kolumnen würden in der Wirtschaftszeitung zudem auf eine größere Leserschaft stoßen.

Pearson-Chef Marjorie Scardino hatte sich stets gegen einen Verkauf ausgesprochen: "Nur über meine Leiche", sagte sie. Doch sie scheidet Ende des Jahres aus. Ihr Nachfolger, der zum 1. Januar das Amt übernimmt, schlägt einen ganz anderen Tenor an: "Das Portfolio von Pearson verändert sich und entwickelt sich beständig" und "Wir schließen niemals etwas aus", sagte Fallon bereits im Oktober der New York Times.

Mit einem Verkauf der FT würde sich Pearson wieder mehr auf sein Kerngeschäft, den Bildungsangeboten, konzentrieren. Die Branche könnten sich als profitabler erweisen als die strauchelnde Zeitungsbranche.

Auch Michael Bloomberg ist die schwierige Lage des Print-Geschäftes bewusst. "Jemand hat mir gesagt, dass nur Milliardäre mit großem Ego Tageszeitungen kaufen", sagte er letztens. "Und dann schaute der mich an und sagte: 'So wie du, Mike.'"