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Kachelmann gibt erstes Interview:"Mies benommen und Menschen verarscht"

Jörg Kachelmann gibt sein erstes Interview - und droht all jenen mit rechtlichen Schritten, die Unwahrheiten über ihn verbreitet hätten. Der Wettermoderator übt sich jedoch auch in Selbstkritik.

Sollte es jemals einen Spielfilm über den Fall Jörg Kachelmann geben, dann würde der Regisseur ihn bestimmt mit dieser Szene beginnen lassen: Aus der Ausfahrt einer Tiefgarage - es wäre die des Landgerichts in Mannheim - schießt ein silbergrauer BMW mit einer blonden Frau am Steuer. Es ist Kachelmanns Verteidigerin Andrea Combé; neben ihr sitzt ihr Mandant, der soeben vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen wurde.

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Der Wettermoderator Jörg Kachelmann ist zu allem bereit: Gegen Leute, die Unwahrheiten behauptet hätten, werde er alles in die Schlacht werfen, "was deutschen, schweizerischen und amerikanischen Anwälten einfällt".

(Foto: dpa)

Sofort macht sich eine Meute Fotografen auf Motorrädern an die Verfolgung. Nach einer Verfolgungsjagd springt Kachelmann in einem Parkhaus aus dem Fahrzeug, flüchtet durch den Notausgang, draußen lauert schon der nächste Fotograf, Kachelmann rennt in das nächstbeste Gebäude, steht in einem Büro, eine wildfremde Frau erklärt sich bereit, ihm zu helfen. Auf dem Rücksitz ihres Autos liegend, mit einer Gummimatte zugedeckt, entkommt er den Paparazzi.

So hat Kachelmann es der Zeit-Redakteurin Sabine Rückert erzählt, die ihn an einem geheimen Ort im Ausland als erste Journalistin nach dem Ende des spektakulären Prozesses interviewen durfte. Dieses Privileg verdankt sie vermutlich ihrem besonderen Kontakt zu Kachelmanns Verteidiger Johann Schwenn. Dem ursprünglichen Kachelmann-Verteidiger Reinhard Birkenstock hatte Rückert nahegelegt, Schwenn mit ins Boot zu nehmen. Birkenstock hatte das abgelehnt; mitten im Prozess hatte Kachelmann dann Birkenstock entlassen und Schwenn als Verteidiger engagiert.

In dem Interview beteuert Kachelmann seine Unschuld und kündigt zivil- und strafrechtliche Konsequenzen für alle an, die unwahre Behauptungen über ihn aufgestellt hätten. Es habe in seinem Leben keine Gewalt, keine Übergriffe, "auch keine sogenannten Grenzerkundungen und schon gar keine -überschreitungen" gegeben. Gegen Leute, die das behauptet hätten, werde er alles in die Schlacht werfen, "was deutschen, schweizerischen und amerikanischen Anwälten einfällt". Er schreibe auch an einem Buch mit dem Titel "Mannheim". Das sei sein Versuch, "mich in den Kampf gegen die Leute zu begeben, die mich in den Knast bringen wollten".

Kachelmann räumt ein, er habe sich "mies benommen" und "Menschen verarscht". Bei einigen Frauen habe er sich nicht zu einem "sauberen Schlussstrich" durchringen können aus Angst, sie könnten ihm aus Rache in seinem Kampf um das Sorgerecht seiner beiden Kinder schaden. Durch seine neue Ehe, die während des Prozesses geschlossen wurde, habe er heute "ein wunderbar geordnetes Berufs- und Privatleben", sagte der 52-Jährige. Ob er wieder als Wetterexperte im Fernsehen auftreten werde, entschieden "der liebe Gott und die ARD". Von der ARD, bei der Kachelmann als Wettermoderator für die "Tagesthemen" unter Vertrag stand, habe er allerdings seit dem Tag seiner Festnahme nichts mehr gehört.