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Interview:"Wir müssen uns ständig anpassen"

Kicker-Chefredakteur Jörg Jakob

Jörg Jakob ist seit 2014 Chefredakteur des in Nürnberg erscheinenden Kicker, der zwei Mal in der Woche jeweils am Montag und Donnerstag erscheint. Die Redaktion erhielt 2013 den Herbert-Award als „Beste Sportfachzeitschrift“.

(Foto: OH)

Jörg Jakob, Chefredakteur des "Kicker", dem Fachmagazin für Fußball in Deutschland, über die fußballlose Zeit ausgerechnet in der Phase des Jahres, in der sich sonst die Höhepunkte der Saison aneinanderreihen.

In der Saison ist der Montag der Tag der Sportredaktionen, auch der Kicker bringt dann hauptsächlich aktuelle Fußballberichterstattung. Chefredakteur Jörg Jakob über ein Fachmagazin in fußballloser Zeit.

SZ: Herr Jakob, Fußball ist eine wunderbare Nebensache, wird gerne gesagt, aber jetzt ist Fußball auch für die Fans tatsächlich zu einer Nebensache geworden. Was bedeutet das für den Kicker?

Jörg Jakob: Es ist klar, dass Bestandteile unserer klassischen Berichterstattung wegfallen, etwa Spielanalysen oder Live-Ticker. Wir stellen aber fest, dass alles rund um die Corona-Krise und deren Auswirkungen auf den Sport die Menschen sehr beschäftigt, sie wünschen sich Einordnung, Hintergründe und Informationen. Wie stellen sich die Klubs darauf ein? Was bedeutet das alles für die Finanzen und die Fußballkultur?

Sie haben gesagt: Gut für den Kicker ist immer eine spannende Bundesliga-Saison.

Natürlich haben wir hier eine Ausnahmesituation, das betrifft jede Sportredaktion. Momentan ist die Nachrichtenlage aber noch extrem spannend. Leider nicht aus sportlichen Gründen.

Haben Sie nicht die Befürchtung, dass Ihnen irgendwann die Themen ausgehen, wenn nicht mehr gespielt wird?

Die habe ich nicht, wir müssen uns aber ständig anpassen. Der Sport ist von kultureller und wirtschaftlicher Bedeutung. Wir müssen ihn jetzt aus einer besonderen Perspektive betrachten, aber genauso sorgfältig wie sonst auch. Es wird neue Formate geben, zum Beispiel im Digitalen Trainingstipps für zu Hause. Historische Geschichten funktionieren erfahrungsgemäß auf allen Kanälen gut. Wir haben auch schon das Signal von Lesern erhalten, dass sie sich, wann immer möglich und angemessen, auch in Anführungszeichen: normale Berichterstattung über Spieler und Vereine wünschen. Sie sagen uns: Das gibt uns auch ein bisschen Freude zurück.

Sie berichten über eine Branche mit einer hohen Millionärsdichte, was in schwierigen Zeiten kritisch beäugt wird. Kann das für den Kicker Schaden nach sich ziehen?

Der Kicker wird nicht als Magazin der Fußballmillionäre wahrgenommen, und genau hier liegt auch eine Chance. Wir haben zuletzt in unseren Analysen und Kommentaren gefordert, dass der Sport, insbesondere der Fußball, sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung stärker bewusst wird. Berichte über Solidarität können Mut stiften.

Wie hat sich der Arbeitsalltag verändert?

Wir haben sukzessive alles auf Home-Office umgestellt. Für die vielen Reporter im Bundesgebiet und Korrespondenten im Ausland ändert sich damit erst einmal gar nicht so viel. Pressekonferenzen und Gespräche mit Verantwortlichen werden jetzt per Videoschalte oder per Telefon gemacht.

Was kann ein Fußball-Magazin wie der Kicker zur Stimmung im Land beitragen?

Der Fußball hat eine große soziale Verantwortung, und ich glaube, dass er diese jetzt vermehrt wahrnimmt. Große Persönlichkeiten aus der Branche melden sich zu Wort und mahnen zu verantwortungsvollem Verhalten, sagen laut und deutlich, dass wir solidarisch sein müssen. Auch darüber berichten wir - und können so einen kleinen Beitrag leisten, die Stimmung positiv zu beeinflussen.

© SZ vom 06.05.2020

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