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Streit um TV-Spot:Großes Hin und Her um lesbisches Brautpaar

Ausschnitt aus dem Hallmark-Werbespot.

(Foto: Zola)
  • Nachdem der US-Sender Hallmark einen Werbespot mit einem lesbischen Brautpaar gezeigt hatte, liefen christliche Hardliner Sturm.
  • Hallmark knickte zunächst ein und nahm die Spots aus dem Programm - nur um die Entscheidung wenige Tage später zu revidieren.

Das Unglück der Menschen rühre daher, so oder so ähnlich hat es der legendäre Kuppler Blaise Pascal formuliert, dass sie es nicht allein aushalten und unbedingt heiraten müssen. Das hat immerhin, wer würde es bestreiten, zu einigen der großen Unglücksromane geführt - "Madame Bovary", "Anna Karenina", "Die Präsidentin", alle hunderttausendfach nachgespielt, auch verfilmt-, aber nichts am Ur-Übel geändert, dass die Menschen noch immer nichts Besseres wissen, als sich den Bund fürs Leben zu versprechen, den sie dann doch nicht aushalten. Aber gut, es steht schließlich bereits in der Erstausgabe der Bibel der kategorische Imperativ: Seid furchtbar und mehret euch!

Während sich diesseits von Moskau und Riad jeder nach seiner Fasson in dieses Unglück stürzen darf, egal ob Mann, Frau oder beides, halten die amerikanischen Fundamentalisten päpstlicher als selbst der Papst an der ausschließlich heterosexuellen Lebens- und Leidensgemeinschaft fest. Schwule sind für die US-Evangelikalen des Teufels, und wenn sie doch, statt in der Hölle zu schmoren, auf Gottes Erdboden wandeln, sollten sie bei nächster Gelegenheit gesteinigt oder wenigstens sexualtherapiert werden.

Der Sender Hallmark, der sonst an heiliger Einfalt noch das klassische Disney-Angebot überbietet, ist Anfang Dezember auf den vermessenen Gedanken verfallen, es könnte sich etwas verändert haben seit der Erschaffung der Erde in sechs Tagen. In einem Werbeclip für professionelle Hochzeitsplanung stehen zwei Frauen vor einem Pastor, sie küssen sich, und die versammelten Freunde und Familien jauchzen, wie es sich für einen Familienfilm gehört.

Dieses Happy End störte freilich die Fürsprecher der Hl. amerikanischen Familie. Die Lobbyistinnengruppe "One Million Moms" wandte sich an den Sender und tat ihr Missfallen kund. Die millionenfachen Mütter sind wiederum Teil einer Truppe namens "American Family Association", die darauf spezialisiert ist, Firmen und Sender zu boykottieren, die unchristliches Verhalten darstellen, also Abtreibung, Pornografie, Homosexualität thematisieren. Von Hallmark, einer Firma, die bis heute vom Verkauf von süßlichen Postkarten lebt, zeigten sich die Aktivisten bitter enttäuscht und nahmen dabei sogar das schmutzige Wort "Sex" in den Mund: "Jetzt können Eltern Hallmark nicht mehr trauen, weil Hallmark die Erziehung bei der Sexualmoral nicht mehr in erster Linie den Eltern überlässt."

Am Donnerstag nahm Hallmark daraufhin alle anstößigen Werbeclips aus dem Programm - wofür der Sender wiederum von zahlreichen liberalen Stimmen, wie etwa der Talkmasterin Ellen DeGeneres, kritisiert wurde. Am Montag ruderte man daraufhin wieder zurück: Das Einknicken habe bei Vielen zu "Verletzungen und Enttäuschen" geführt, sagte Hallmark-Chef Mike Perry, man entschuldige sich für die "falsche Entscheidung".

© SZ vom 16.12.2019/qli
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