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Grimme-Preis 2015:Wieder mal der "Tatort"

Tatort: Im Schmerz geboren

Schräg und erfolgreich: Grimme-Preis für den Shakespeare-Tatort mit Ulrich Matthes (l.) und Ulrich Tukur.

(Foto: HR/Philip Sichler)
  • Der schräge Hessen-Tatort "Im Schmerz geboren" wurde mit einem Grimme-Preis ausgezeichnet, außerdem die ARD-Filme "Bornholmer Straße" und "Altersglühen".
  • Produktionen der Privatsender gingen in diesem Jahr leer aus.
  • Mit besonderen Ehren wurden die Auslandskorrespondenten Ina Ruck (WDR) und Dietmar Ossenberg (ZDF) gewürdigt.

Preise für Hessen- Tatort und "Bornholmer Straße"

Der Grimme-Preis 2015 geht mal wieder an einen Tatort, und zwar an "In Schmerz geboren" mit Ulrich Tukur. Das gab das Grimme-Institut bekannt. Außerdem haben die ARD-Filme "Bornholmer Straße", "Der Fall Bruckner", "Männertreu" und "Altersglühen - Speed Dating für Senioren" gewonnen. Letzterer wurde auch mit dem Publikumspreis der Marler Gruppe geehrt.

Referenzen im Hessen-"Tatort"

Feuilleton und Blutrausch

ZDF gewinnt bei "Information und Kultur"

In der Kategorie "Information und Kultur" gewannen die ZDF-Dokumentationen "Wir waren Rebellen - Krieg und Frieden im Südsudan" sowie "Die Kinder von Aleppo". Marc Wieses Porträt eines ehemaligen Insassen eines nordkoreanischen Straflagers "Camp 14 - Total Control Zone", mit Beteiligung von Arte sowie von WDR und BR entstanden, wurde ebenfalls ausgezeichnet. Zwei weitere Ehrungen in dieser Kategorie gehen an die Dokumentation "Nach Wriezen" (rbb) über drei jugendliche Straftäter und an den Mehrteiler "Akte D" (WDR/MDR/BR).

"Mr. Dicks" gewinnt bei "Unterhaltung"

In der Kategorie "Unterhaltung" konnten sich das ZDF-Satireformat "Die Anstalt" (ZDF) und "Mr. Dicks - Das erste wirklich subjektive Gesellschaftsmagazin" (EinsFestival/ WDR) durchsetzen.

Den Sonderpreis Kultur des Landes NRW im Bereich des Kinderfernsehens erhalten "10 Wochen Sommer" aus der Reihe "Ab 18" (ZDF/3sat).

"Besondere Ehrung" für Auslandskorrespondenten

Einen Sonderpreis verleiht das Grimme-Institut an die Auslandskorrespondenten Ina Ruck und Dietmar Ossenberg. Ruck berichtet für den WDR aus Russland, Ossenberg für das ZDF aus Nahost. "Auslandsberichterstattung erfordert einen hohen persönlichen Einsatz, Kenntnisse der Länder und Menschen sowie Professionalität", sagte Ulrich Aengenvoort, Direktor des Deutschen Volkshochschulverbandes, der die Preise stiftet. Ina Ruck zeichne eine außerordentlich sachliche und kenntnisreiche Berichterstattung vor allem auch im Zusammenhang mit dem Russland-Ukraine-Konflikt aus. Mit Ossenberg werde ein exzellenter Kenner des Nahen Osten geehrt, sagte Aengenvoort.

Private Sender gehen leer aus

Insgesamt räumen ARD, ZDF und Co.alle zwölf Auszeichnungen in den Hauptkategorien ab; die deutschen Privatsender gehen leer aus. Lediglich an "Die Kinder von Aleppo", einer Co-Produktion mit dem ZDF und Arte, war mit dem britischen Kanal Channel 4 ein privater Sender beteiligt. Von den Sendungen und Akteuren des Privatfernsehens waren lediglich vier nominiert gewesen, darunter "Sing meinen Song" auf Vox. 2014 war die Show "Circus HalliGalli" auf ProSieben prämiert worden. Grund zur Sorge? Klingt nicht so: "Dieses Fernsehjahr war in ganz besonderer Weise vielfältig und zeigt erfreuliche Ansätze zu programmlichen Innovationen", sagte Grimme-Direktorin Frauke Gerlach bei der Bekanntgabe der Preisträger. Künftig will sie mehr Schwerpunkte in der Unterhaltung setzen. Dazu zählt der Preis für WDR-1Live Wellenchef Jochen Rausch. Der Radiomann wird für die Mitentwicklung und Umsetzung des Formats "Mr. Dicks" geehrt.

Was ist der Grimme-Preis?

Der Grimme-Preis gilt als die renommierteste Auszeichnung für Qualitätsfernsehen in Deutschland. Mit der undotierten Auszeichnung werden jährlich TV-Produktionen gewürdigt, die "die spezifischen Möglichkeiten des Mediums Fernsehen auf hervorragende Weise nutzen und nach Inhalt und Methode Vorbild für die Fernsehpraxis sein können". Der Preis wird seit 1964 jährlich im westfälischen Marl verliehen, Stifter ist der Deutsche Volkshochschul-Verband. In Marl ist auch der Sitz des Grimme-Instituts. Adolf Grimme (1889-1963) war von 1948 bis 1956 Generaldirektor des Nordwestdeutschen Rundfunks, aus dem später NDR und WDR hervorgingen.

dpa

Die Verleihung der diesjährigen Grimme-Preise findet am 27. März im Theater der Stadt Marl statt.