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Götz George im ZDF-Krimi:Im Lieferwagen ins ungewisse Schicksal

Als wortkarger Schleuser brilliert Götz George in einer "Nachtschicht", in der es um das zynische Gewerbe des Menschenhandels geht. Punktgenau und mit viel spielerischem Witz erzählt, erinnert der Krimi dabei an den französischen Film noir.

Die Serie Nachtschicht des ZDF ist im deutschen Fernseh-Krimi-Einerlei ein großer Glücksfall. Warum? Zunächst einmal, weil gerade nicht die Dramaturgie des Genres, die sonst darauf abgestellt ist, dass die Typologie der Hauptfiguren vom Zuschauer sofort wiedererkannt wird, die Handlung beherrscht. Das Geschehen entwickelt sich vielmehr aus der Psychologie der Agierenden. Das andere Element, das den Plot strukturiert, ist der enge zeitliche Rahmen, der durch die Zwölf-Stunden-Schicht des Kriminaldauerdiensts, in den die Ermittler eingespannt sind, plausibel definiert wird.

ZDF-Krimi 'Nachtschicht - Reise in den Tod'

Götz George als Bruno Markowitz mit Dominique Siassa alias Marie-France, dem Opfer häuslicher Gewalt. Das Schicksal der Afrikaner, die er wie Vieh im Lieferwagen interessiert, hat den wortkargen Schleuser eigentlich nie interessiert. Aber das ändert sich.

(Foto: dapd)

Beides erzwingt eine enorme Verdichtung und temporeiche Entfaltung der Handlung, die in zahlreichen, in sich geschlossenen Szenen mit genau kalkulierten Aussagen aufgelöst werden muss. Das Gelingen einer solchen Filmerzählung stellt zunächst einmal höchste Ansprüche an Buch und Regie, für die auch bei der neuen Folge "Reise in den Tod" Lars Becker bewährtermaßen allein verantwortlich ist.

"Reise in den Tod" schildert das letzte Glied in der Kette eines einträglichen Geschäfts, das im Schlagschatten der globalen Weltwirtschaft blüht: Das zynische Gewerbe des Menschenhandels, bei dem Kriminelle, zu deren Geschäftsgebaren auch kaltblütiger Mord zählt, eine Art von Sklavenhandel mit afrikanischen Flüchtlingen aufziehen und diese als billige Arbeitskräfte an Haushaltungen, Gastronomiebetriebe oder Bordelle vermitteln.

Grundlage dieses Geschäfts ist, dass die von Schleuserbanden in die Metropolen Europas geschafften Afrikaner hier als "Illegale" in einem rechtsfreien Raum leben, in dem sie schutzlos der Willkür ihrer Arbeitgeber ausgeliefert sind.

Die Hoffnungen, Nöte und Zwänge von afrikanischen Immigranten, die von skrupellosen Geschäftemachern und ihren bisweilen großbürgerlichen Endabnehmern ausgenutzt werden, bilden den Hintergrund des Films, dessen Handlung in Hamburg angesiedelt ist. Bruno Markowitz, den als wortkargen Schleuser Götz George glänzend verkörpert, schafft in einem Lieferwagen eine Gruppe von Immigranten, die er in Tirol übernommen hat, in die Hansestadt. Unterwegs, bei einer Führerscheinkontrolle, gelingt einem Teil dieser Menschenfracht die Flucht.