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Germany's Next Topmodel: Jana gewinnt:Ein Kleid wie eine Pelle

Dann geht alles ganz fix: Als Erste fliegt das Küken Amelie raus. Kurzes Stutzen bei den erfahrenen Zuschauern: Wie? Die hat doch das Sony-Ericsson-Casting gewonnen? In den vergangenen Staffeln wurde das Handy-Mädchen immer zum nächsten Topmodel. Diesmal nicht. Auch die Von-Anfang-an-Favoritin Rebecca wird es nicht. Sondern Jana, die Frau, jene Kandidatin, die nach normalen Maßstäben am ehesten dem Vergleich mit einem Topmodel standhält.

Oder? So sicher ist das nicht mehr? Zu sehr hat sich die allgemeine Auffassung davon, was ein "Topmodel" ist, schon mit der Ästhetik von Heidi Klums Sendung vermischt. Das hat einen einfachen Grund: Der Durchschnittszuschauer sieht ziemlich selten echte Laufstegschauen. Dafür ist die Klum'sche Ästhetik dank der ausführlichen Berichterstattung von Bild und Bunte allgegenwärtig.

Und auch die Kandidatinnen sind so durchaus prominent geworden. Das wissen sie und spielen gerne mit. Obwohl sie zu "Meeedchen" gemacht werden, sobald sie das Klum'sche Universum betreten, sind sie bestens darauf vorbereitet, was auf sie zukommt. So nannte sich eine ungelenke Kandidatin in Staffel sechs selbst "Körperklaus". Das "Küken" Amelie rülpste in der Sendung, ehe sie zur Final-Kandidatin aufstieg.

Ob es ihr bei der Karriere hilft? Ein Finale in der fabelhaften Welt der Heidi Klum macht noch keinen Star. Das können vor allem jene Zuschauer beobachten, die sich die Sendung im Internet anschauen. Da moderieren nämlich in den zahlreichen Werbepausen die beiden ehemaligen Topmodel-Mädchen Lena Gercke und Louisa Mazzurana ihre eigene kleine Show. Lena trägt ein orangefarbenes Kleid, das aussieht, als hätte jemand vergessen, es fertigzunähen - Louisa eine lila Pelle. Mit zuckersüßer Miene und zur Schau getragener Erfahrung nehmen sie die ausgeschiedenen Kandidatinnen in Empfang.

Deutschlands nächstes Topmodel - das ist noch kein Klum-Mädchen wirklich geworden. Warum? Heidi gibt die Antwort: Die bisherigen Kandidatinnen hätten es verpasst, ein Risiko einzugehen und Deutschland zu verlassen, sagte sie kurz vor der Show im Interview mit Bild.de. "Ich war zu Beginn in Paris, Mailand, London, Miami und New York, habe Tausende von Testfotos gemacht, unendlich viele Castings besucht, Klinken geputzt, in einer winzigen Wohnung gewohnt, kaum etwas verdient, nie freigemacht", erzählt die Model-Mama. Sie ignoriert, dass sie mit dieser Aussage eigentlich ihrer eigenen Show die Daseinsberechtigung abspricht.

Denn schließlich versprach sie einst, die Teilnehmerinnen quasi im Schnelldurchlauf zum Topmodel zu machen. Die meisten Teilnehmerinnen haben aber bestimmt nicht alle Strapazen der Show auf sich genommen, damit sie hinterher doch in einem Mini-Loch in einem miesen Pariser Viertel landen. Sie haben das gemacht, weil sie berühmt werden wollten. Wenn nicht als Model, dann irgendwie anders.