"Geld oder Liebe" im WDR:Comeback eines Kindergeburtstags

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Geld oder Liebe Jürgen von der Lippe WDR

Jürgen von der Lippe

(Foto: WDR)

Viele Promis, ein albernes Partyspiel und Carolin Kebekus, die vorpupsen muss. "Geld oder Liebe" ist 25 Jahre nach der ersten Ausgabe zurück - reanimiert von Jürgen von der Lippe persönlich. Der hat mit den Gästen so seine Probleme.

Von Hans Hoff

Was passiert, wenn man sechs halbwegs junge Promis in mehr oder weniger wohl behüteter Bodenhaltung auf Sendung bringt? Es startet umgehend eine derartige Gackerei, dass der Chef vom Ganzen nicht nur einmal den Überblick zu verlieren droht. Der Chef ist ein wohlbeleibter älterer Herr im bunten Hemd, das die Wölbungen seiner zahlreichen Lebensjahre nur unzureichend kaschiert. "Zurück auf die Sitzgruppe!" sagt er, wenn die Meute ihm aus dem Ruder zu laufen droht, und prompt trollen sich die dann aufgescheuchten Bekanntheiten, nicht ohne vorher noch irgendeinen Unsinn zum Besten zu geben. Das können sie gut, Unsinn zum Besten geben, das ist ihr Beruf.

"Geld oder Liebe" ist zurück. Gut 25 Jahre nach der ersten Ausgabe durfte Jürgen von der Lippe am Mittwoch seine Erfolgsshow noch einmal persönlich reanimieren, bevor er in den kommenden Wochen die Bühne freigibt, damit sich ein paar Nachwuchskräfte an seinem vor 13 Jahren ausgedienten Showformat versuchen dürfen.

Solch ein Comeback kann man ernst nehmen, man kann es aber auch als großen Kindergeburtstag zelebrieren, an dem die Beteiligten im Studio sichtlich mehr Spaß haben als die Zuschauer an den Bildschirmen. Für die Verhaltensauffälligen auf der Couch ist es natürlich eine prima Sache, wenn sie sich ausnahmsweise mal nicht selbst um das Gelingen der Veranstaltung kümmern müssen, wenn sie einfach nur reagieren dürfen auf lustige Sprüche und alberne Spiele. Da bekennt dann Klaas Heufer-Umlauf freimütig, dass er öffentlich nachdenkt, während er redet, und genau so hört sich das dann auch an.

Jan Böhmermann versucht, Tina Turner zu sein

Zum Ausgleich erweist er sich als passabler Eros-Ramazzotti-Interpret, der allerdings unter dem Umstand leidet, dass während seines Vortrages plötzlich der aus der Kulisse herbeigeilte Jan Böhmermann versucht, Tina Turner zu sein. Zusätzlich gibt Carolin Kebekus zu, dass sie einst bei einer Produktionsfirma ein Archiv mit nachgemachten Fürzen aufgebaut hat. Natürlich muss sie dann auch live vorfurzen, was bei den im Studio Anwesenden zu einer Art mentalem Vollrausch führt. Sie hat gepupst. Hi, hi. Giggel, giggel.

Nur schwer erholen sich die Promis von ihrer frei ausgelebten Lust am Lustigsein. Sie produzieren Sprüche, die nur seltsam klängen, wenn man sie der Show entrisse. "Er rockt das Ding mit der Gurke", sagt die Boxerin Regina Halmich einmal, und wieder giggeln alle. Sie hat Gurke gesagt.

Später müssen die wilden sechs ein albernes Partyspiel absolvieren, und danach gibt es das Ganze noch einmal im Zeitraffer zu sehen, natürlich unterlegt mit einer Musik, die schon unmodern war, als Jürgen von der Lippe noch keinen Bart hatte, ohne die aber Slapstickszenen im deutschen Fernsehen quasi ungültig zu sein scheinen.

Man wirft sich hier mit den Füßen Plüschherzen zu und beantwortet dort Fragen, indem man sich in Dreiergrüppchen zu einem Y oder zu einem N auf einer Turnmatte drapiert. Das erzeugt einen ziemlichen Schwung, der die dem Format innewohnende 90er-Jahre-Betulichkeit zwischendrin schön überdeckt.

Von der Lippe muss die Rasselbande zur Ordnung rufen

Immer wenn sich aber die Aktiven zu sehr selbst genug sind, muss von der Lippe eingreifen. Dann spielt er den alternden Chef von Onkel Jürgens lustigem Feriencamp und ruft die Rasselbande halbwegs streng zur Ordnung. "Denkt an meine Restlebenszeit und gebt euren Tipp ab", mahnt der 66-Jährige in solch einem Fall.

"Das ist hier kein Single-Treff, eher ein virtueller Swinger-Club", hat er schon zu Beginn gesagt und damit deutlich werden lassen, dass er im Falle der Promis auf der Couch schon mal gewillt ist, die eigentlichen Regeln außer Acht zu lassen. Das soll sich ändern, wenn die Show von Nachwuchskräften übernommen wird und mehr oder minder durchschnittliche Menschen sich am Ende der Show entscheiden müssen, ob sie den vom Publikum zugelosten Partner oder den vorher erspielten Geldbetrag mit nach Hause nehmen wollen.

Am Ende der ersten Show wurden Carolin Kebekus und Bernhard Hoëcker zum Traumpaar gewählt und mussten sich kurz küssen. Es war kein besonders ergreifender Anblick, aber da man zu dem Zeitpunkt schon fast zwei Stunden ausgelassenen Frohsinns hinter sich gebracht hatte, war man froh, dass das beschwipste Revival über die Bühne gegangen war, ohne größeren Schaden anzurichten. Niemand hat auf die Rückkehr dieser Show gewartet, und verschwände sie morgen wieder im Orkus, würde wohl kaum jemand eine Träne vergießen. Trotzdem war es nett, mal wieder zu sehen, was man früher so alles lustig und unterhaltsam fand.

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