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MDR-Auftritt in Tschetschenien:"Von allen guten Geistern verlassen"

Auch wenn der MDR bereits Reue über den Auftritt seines Fernsehballetts in Tschetschenien zeigt - im Bundestag sorgen die Enthüllungen für Empörung. Grünen-Politiker Koenigs kündigte bereits ein Nachspiel an.

Der Mitteldeutsche Rundfunk hat den Auftritt von sechs Mitgliedern des MDR-Fernsehballetts beim tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow bedauert.

Zeitung: MDR-Fernsehballett tanzte auf Feier in Tschetschenien

Beine schwingen für Diktator Kadyrow: Der Auftritt des MDR-Fernsehballetts in Tschetschenien wird Folgen im Bundestag haben.

(Foto: dpa)

"Dieser Auftritt hat dem Ballett, seinen Gesellschaftern und dem MDR in der Öffentlichkeit großen Schaden zugefügt", erklärte der Sender in Leipzig. Allerdings wies der MDR darauf hin, dass weder das Management noch die Mitglieder des Balletts Angestellte des Senders seien. Der MDR sei über seine Drefa Medien Holding mittelbar zu 40 Prozent an der Fernsehballett-Gesellschaft beteiligt.

Trotzdem wird der umstrittene Auftritt ein Nachspiel im Bundestag haben. Der Vorsitzende des Bundestags-Ausschusses für Menschenrechte, Tom Koenigs (Grüne), kündigte in der Mitteldeutschen Zeitung an, die Darbietungen zu Ehren des tschetschenischen Präsidenten in dem Gremium zur Sprache zu bringen. "Die sind von allen guten Geistern verlassen", sagte Koenigs. "Der Mitteldeutsche Rundfunk ist eine öffentliche Anstalt, die eine gewisse Verantwortung hat."

Koenigs kündigte an, er wolle "der Sache nachgehen": zunächst durch Anfragen im Auswärtigen Amt und dann im Ausschuss. Kadyrow sei international für Menschenrechtsverletzungen bekannt. Der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rolf Mützenich, forderte ebenfalls Aufklärung. Den Sender-Verantwortlichen fehle offenbar das nötige "Fingerspitzengefühl", sagte er dem Blatt.

Auch der Grünen-Politiker Volker Beck und der ehemalige DDR-Außenminister Markus Meckel (SPD) zeigten sich empört. Beck sagte der Mitteldeutschen Zeitung: "Dafür fehlt mir jedes Verständnis." Künstler dürften sich nicht zur Staffage machen für den Personenkult von jemandem, an dessen Fingern Blut klebe, so Beck. Er forderte den MDR auf, die Verantwortung zu übernehmen.

DDR-Außenminister Markus Meckel (SPD) erklärte: "Das finde ich wirklich skandalös. Nach allem, was man weiß, kann man Kadyrow nicht anders als einen Kriminellen bezeichnen, der von Wladimir Putin an der Macht gehalten wird."

Am Wochenende war bekannt geworden, dass das MDR-Fernsehballett neben Showgrößen wie Hillary Swank oder Jean-Claude van Damme an der Geburtstagsfeier des tschetschenischen Diktators Ramsan Kadyrow am 5. Oktober aufgetreten war. Der 35-Jährige steht im Verdacht schwerer und anhaltender Menschenrechtsverletzungen.