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Radiosender nur für Frauen auf DAB+:Mehr Me-Time

"Der Sender will selbstbewusst feministisch sein", sagt Gründerin Ina Tenz.

(Foto: Daniel Ingold)

Ina Tenz will mit einem eigenen Radioprogramm explizit Hörerinnen ansprechen. Warum?

Von Stefan Fischer

Einen Namen hat das Kind bereits. Ina Tenz kann ihn aber nicht preisgeben, er muss erst noch als Marke geschützt werden. Klar ist: Im Mai soll das Kind sprechen können. Dann startet der von Tenz konzipierte bundesweite Radiosender für Frauen im digitalen DAB-Netz. Wann exakt, steht aktuell noch nicht fest. Ab Mitte Mai jedenfalls besitzt die Leipziger Her Funk GmbH eine Sendelizenz für das Programm auf dem sogenannten zweiten Bundesmux. Und man wolle, so Tenz, dann auch zügig starten.

Auf die Frage, weshalb es einen solchen Frauensender braucht, hat Ina Tenz zwei Antworten. Die kurze: "Weil es ihn noch nicht gibt." Die längere: Weil Frauen und ihre Lebensrealitäten gezielter angesprochen werden könnten als in den vielen regionalen Privatradios. "Es ist ein Luxus, sich nicht den Kopf darüber zerbrechen zu müssen, ob wir Männer mit unseren Inhalten vielleicht nicht erreichen."

Die Musik? Rap oder Heavy Metal dürfte es eher nicht zu hören geben

Zwei Monate vor dem anvisierten Sendebeginn ist vieles noch in der Entwicklung. Klar ist, was die Welle dem Grunde nach sein soll: "Wir wollen Frauen in drei Lebensphasen ansprechen: in der stürmischen Zeit des Erwachsenwerdens, dann in der Phase, wenn sie sich im Beruf etabliert und vielleicht eine Familie gegründet haben, und schließlich wenn die Kinder flügge werden und Frauen ihr Leben noch einmal neu ausrichten", sagt Ina Tenz.

Familie, Job und Karriere, Me-Time, Genderdebatten, Partnerschaft und Sexualität werden die hauptsächlichen Themen sein. Die Musik soll sich an einem weiblichen Geschmack ausrichten, Genres wie Rap oder Heavy Metal, die Tenz überwiegend bei Männern verortet, dürfte es eher nicht zu hören geben.

Ina Tenz ist eine erfahrene Radiofrau, ihre ersten Stationen waren unter anderem bei Rias 2 und Energy München. Mehr als zehn Jahre hat sie daraufhin als Programmchefin von Radio FFN in Niedersachsen gearbeitet, ehe sie 2017 in ähnlicher Position für zwei Jahre zu Antenne Bayern gewechselt ist. Im vergangenen Jahr wurde sie Geschäftsleiterin bei ABC Communication, der Agentur ihres Mannes Béla Anda. Dort verantwortet sie die Podcast-Produktionen Die Agenda mit Gerhard Schröder - Anda war gegen Ende von Schröders Kanzlerschaft dessen Regierungssprecher -, und sie hat für Amazon den Podcast Boris Becker - Der Fünfte Satz produziert.

In der Kooperation mit Podcast-Anbietern sieht Ina Tenz denn auch eine wichtige Strategie des Frauensenders: "Er wird von vornherein als Plattform konzipiert." Das lineare Programm über DAB+ ist das akustische Schaufenster, es biete die Chance, von Hörerinnen gefunden zu werden. Schließlich startet das Frauenradio bei null. Die technische Reichweite liegt für DAB+ aktuell bei 67 Millionen Hörern, die Hälfte davon ist weiblich. Und es gibt derzeit bloß 32 DAB-Frequenzen für bundesweite Radioprogramme. Viel Potenzial sieht Tenz dementsprechend in dem neuen Angebot. Auf dem ersten republikweiten Frequenz-Spektrum, Multiplex oder kurz Mux genannt, senden zum Beispiel neben Deutschlandradio mit seinen drei Programmen auch die sehr erfolgreichen privaten Anbieter Radio Bob und Klassik-Radio, auf dem zweiten die Rockantenne und das Kinderprogramm Toggo-Radio.

Als lineares Radioprogramm ist der Frauensender Begleitmedium, Podcasts sollen darin beispielsweise angespielt werden. Auf einer eigenen Audioplattform möchte die Welle dann vertiefende und umfassende Inhalte anbieten. Auf diese Weise kombiniert er die alte Radiowelt mit den neuen Audio-on-demand-Möglichkeiten, eine Herausforderung, vor der etwa auch die öffentlich-rechtlichen Kulturradios stehen.

Noch nicht entschieden sei, so Tenz, ob die Hörerinnen geduzt, gesiezt oder mit einem neutraleren ihr/euch angeredet werden und inwieweit die Sprache on air gegendert werde. Vorerst werden ausschließlich Moderatorinnen vor dem Mikrofon sitzen. Es werden jedoch auch Männer zu hören sein. In den Beiträgen genauso wie in den Songs. "Frauen", sagt Tenz, "hören gerne männliche Stimmen."

Das Frauenradio werde sich ohnehin nicht distanzieren von Männern und ihren Lebenswelten. "Der Sender will selbstbewusst feministisch sein. Nicht in einem abgrenzenden Sinn, sondern indem wir uns der eigenen Stärken gewiss sind."

© SZ/cag
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