Frauenbild in der Fotografie Du sollst dir ein Bildnis machen

"Berufstätige Frau arbeitet spät am Abend in der Stadt", heißt dieses Bild. Solche Fotos habe man bislang zu selten verbreitet, meint die Agentur.

Weg von den Stereotypen: Die Fotoagentur Getty setzt ab sofort auch auf Aufnahmen, die Frauen bei der Karriere und Männer beim Kochen zeigen.

Von Kathleen Hildebrand

Eine Frau im Business-Power-Kostüm kraxelt eine Leiter hoch, den Blick fest nach oben gerichtet. Eine andere hält ein Baby im einen Arm, ihren Aktenkoffer im anderen. Und dann ist da noch die entspannte Frau. In ihrem Haus scheint immer die Sonne, während sie ihrem Kind lächelnd Milch ins gesunde Müsli gießt.

Man kennt diese Bilder. Agenturfotos sind überall. In Blogs, Werbebroschüren und oft genug auch in Zeitungen und Magazinen, die immer wieder dieselben Symbolbilder von einsamen Pumps neben Herrenschuhen drucken, wenn sie vom Leben der Frau zwischen Beruf und Familie berichten. Den kurioseren unter diesen Klischeefotos widmen sich Blogs wie "Woman laughing alone with Salad": eine stetig wachsende Sammlung von Fotos, auf denen sich Frauen extrem über eine einzelne Cherrytomate zu freuen scheinen, die sie aus einer Salatschüssel picken.

Sheryl Sandberg, Facebook-Geschäftsführerin und seit ihrem Buch Lean in - Frauen und der Wille zum Erfolg irgendwie auch Weltfrauenkarrierebeauftragte, will das ändern. Ihre Non-Profit-Organisation "LeanIn.org" ist eine Kooperation mit der Bildagentur Getty Images eingegangen - mit 2,4 Millionen Kunden und 150 Millionen Bildern einer der größten Anbieter sogenannter Stock-Fotografie.

Ein positives Frauenbild gegen kuriose Klischees

Die 2500 Fotos der "LeanIn-Collection" sollen den langweiligen bis kuriosen Klischees Vielfalt und ein positives Frauenbild entgegensetzen. "Die Bilder, die wir von Frauen, Mädchen und Männern sehen, fallen oft auf Stereotypen zurück, die wir zu überwinden versuchen", sagte Sheryl Sandberg der New York Times: "Man kann nicht sein, was man nicht sehen kann." Der Markt ist da, die drei meistgesuchten Begriffe bei Getty sind "woman", "business" und "family".

Wer seit Montag bei Getty nach diesen oder anderen relevanten Begriffen sucht, bekommt neben den bisherigen Ergebnissen auch Fotos aus der LeanIn-Collection angezeigt: Wissenschaftlerinnen, Ärztinnen und Geschäftsfrauen. Moderne Bäckerinnen mit Haarhauben und Sportlerinnen, die auch sichtbare Muskeln haben und nicht nur dem Schlankheitsgebot zuliebe ein bisschen Pilates machen. Alte Frauen, junge Frauen und mittelalte Frauen. Attraktive und nicht ganz so.

Fotos von Männern gibt es auch. Ihnen hat Sheryl Sandberg Babys umgeschnallt oder eine Tochter zum Spaziergang an die Hand gegeben: Einer von Sandbergs meistzitierten Karrieretipps an Frauen ist der, sich einen Partner zu suchen, der bereit ist, zu Hause mit anzupacken. Sonst lande man als Frau schnell auf dem niedrigen Stapel aus Geldscheinen, den die Bildagenturen so gerne zeigen - und der Mann guckt stolz vom hohen Nachbarstapel herunter.

Ist das alles neu? Wer die Bilder sieht, kann auch den Eindruck bekommen, dass es von Frauen jetzt schlicht so einfältige Bilder gibt wie von Männern: schöner Mensch bei der Arbeit und in hübschem Licht.

LeanIn.org bekommt zehn Prozent der Einnahmen, die Getty mit den neuen Fotos macht. Doch Sheryl Sandberg profitiert auch anderweitig von ihrem Bildersturm: Er könnte helfen, den Vorwurf zu entkräften, sie nähme statt der Gesellschaft nur die einzelne Frau in die Pflicht, mit Klischees zu brechen. Jetzt sind es auch die Bildagenturen.