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Starke Einschnitte bei Frankfurter Rundschau:Blütezeit in den 70er Jahren

Ihre Blütezeit hatte die FR in den 70er und 80er Jahren, als das Blatt zur Pflichtlektüre des linken westdeutschen Akademikertums gehörte und den Diskurs an den Universitäten mitprägte. Leser und Blatt waren sich einig im Kampf für den Frieden und gegen die Nachrüstung, und Redakteure wie Anton Andreas Guha gehörten zu den tonangebenden Aktivisten der Anti-AKW-Bewegung, die für den Umweltschutz gern und oft den "Teifi" an die Wand malten. Die FAZ, der konservative Konkurrent von nebenan, mochte schon damals einen besseren Lokalteil gehabt haben, aber die FR hatte ein Milieu.

Irgendwann, spätestens mit der Wiedervereinigung, ist die Rundschau dann aus der Zeit gefallen. Dem Blatt kam sein linksbürgerliches Milieu abhanden. Die neuen Parkaträger lasen eher die taz, die seit 1978 in Schützengrabennähe zum verhassten Springer-Verlag erscheint und bei aller Sorge um den Wald viel frecher war und ist als die Frankfurter.

Wer in der BRD links war und wissen wollte, was richtig und falsch ist, musste die FR lesen. Wer es nach der Wende immer noch war, hatte die Wahl. Und die entfiel immer öfter auf andere.

Immerhin, es passt zum Geist der Zeitung, dass sie trotz knallroter Geschäftszahlen, sinkender Auflagen und einem radikalen Relaunch aufs kleine Tabloidformat noch da ist. Die zwei Haupteigner scheuen sich beide, das Blatt abzuschreiben - eine Option, die dem Vernehmen nach auch in den vergangenen Monaten diskutiert, aber dann verworfen wurde.

Da ist zum einen die SPD-eigene Beteiligungsgesellschaft DDVG, die 40 Prozent der Anteile hält und schon aus politischen Gründen für keinen Zeitungstod mitverantwortlich sein will. Da ist zum anderen der Verleger, Alfred Neven DuMont, dem seit fünf Jahren die Mehrheit der FR gehört. Seine Treue, hört man, soll emotional begründet sein. Für den 84-Jährigen, der 2009 auch die Berliner Zeitung übernahm, war es das erste eigene überregionale Blatt. Es wird nun, am Ende seiner Laufbahn, auf Lokalgröße reduziert und an das neue, tonangebende Schwesterblatt angedockt - damit es irgendwie überleben kann. Und alle großen Entscheidungen werden künftig in Berlin gefällt.

© SZ vom 31.03.2011/berr

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