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Traumschiff:Käpt'n Silbereisen

Das Traumschiff

Florian Silbereisen in seiner Rolle als Traumschiff-Kapitän Max Parger.

(Foto: Dirk Bartling/ZDF)

"Hallo zusammen, mein Name ist Maximilian Parger": Florian Silbereisen ist der neue Kapitän des "Traumschiffs" und hat gleich in der ersten Folge Sätze zu sagen, die zweifelsohne Geschichte schreiben werden.

Kolumne von Hans Hoff

Schon bevor die zweite Sendeminute verstrichen ist, entert Florian Silbereisen den Fernsehtradition gewordenen Schweröl-Verstäuber namens Traumschiff als extrem cooler Typ. In Jeans und blütenweißem T-Shirt rückt er an und zieht mit seinem großflächig tätowierten linken Arm lässig einen Rollkoffer über den Kai. In Minute fünf sagt er seine bestimmt bald berühmten ersten Worte: "Jetzt geht's los." Dann stapft er in Richtung Brücke.

Mit der Aussage "Hallo zusammen. Mein Name ist Maximilian Parger" geht es dort in die sechste Minute, und dann legt der Unterhaltungsdampfer mit ihm als fünftem ordentlichem Kapitän ab, und der Neue steuert das Schiff gleich auf einen wenig befahrenen Kurs, wo es mit genügend Wasser unterm Kiel knapp wird. Das beunruhigt den Staff-Kapitän. Aber Silbereisen und der treue Traumschiff-Zuschauer kennen das Dümpeln im Seichten genau. Vor allem ZDF-Stammkunden wissen seit dem Traumschiff-Sendestart 1981, wie man da durchkommt.

Drehort vor Drehbuch

In dieser Reihe gilt ja nach wie vor die von Harald Schmidt ausgegebene Devise "Drehort geht vor Drehbuch". Die schönen Bilder kommen diesmal von Antigua, wo es natürlich tolle Strände, katalogblaues Wasser und die handelsüblichen Konflikte in drei Haupthandlungssträngen gibt. In einem muss ein schwules Pärchen zur Kenntnis nehmen, dass einer von beiden seit 14 Jahren Vater ist, was der Sohn nicht mal mittelgut findet, weil er sich nicht vorstellen kann, auf dem Schulhof zu erzählen, dass sein Vater schwul ist. Das wäre eine schöne, gegen dumpfe Homophobie gerichtete Geschichte innerhalb der Traumschiff-Dramaturgie, würde sie nicht mit schwer erträglicher "Schaut her, wir trauen uns was"-Attitüde präsentiert.

Aber Silbereisen und seine Mannschaft helfen, alles zu regeln, was an Bord in Unordnung gekommen ist. Der Neue erweist sich dabei als schauspielerisch übersichtliche Begabung. Er fügt sich der betörenden Einfalt des Drehbuchs, das ihm Sätze diktiert wie "Es tut mir leid, die Pflicht ruft". Silbereisen gibt sich Mühe, niemanden an die Wand zu spielen und ordnet sich knapp über Harald Schmidts Auftritten ein, der allerdings das schauspielerische Talent-Schlusslicht beinahe abgeben muss an Joko Winterscheidt als Versager-Bruder des neuen Kapitäns.

Am Ende ist aber alles gut bei allen, muss alles gut sein. Es stehen noch viele Schifffahrten mit dem patenten Silbereisen an. Traumschiff Ahoi.

© SZ vom 27.12.2019
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