FAZ übernimmt FR Aus "Frankfurter Rundschau" wird FR Mini

Die "Frankfurter Rundschau" ist als Titel gerettet - mit nur 28 von 450 Mitarbeitern. Erhalten bleiben soll jedoch die Eigenständigkeit des Traditionsblatts, verspricht der neue Eigentümer: die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Die Übernahme der insolventen Traditionszeitung Frankfurter Rundschau (FR) durch ihren örtlichen Konkurrenten Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) ist durch Unterzeichnung des Kaufvertrags besiegelt. Die FR soll den neuen Eigentümern zufolge jedoch weiter als unabhängige und linksliberale Zeitung erscheinen.

Die FAZ schloss am Morgen wie erwartet mit dem Insolvenzverwalter den Kauf des Traditionsblatts ab. Das Bundeskartellamt hatte dem Erwerb am Vortag zugestimmt.

Die neue "Frankfurter Rundschau GmbH" halte die Titelrechte und sei mit einer eigenen Redaktion für die gedruckte und die digitale Ausgabe der Zeitung verantwortlich. "Als unabhängige Stimme soll die Frankfurter Rundschau auch in Zukunft wesentlich zur Meinungsvielfalt beitragen", erläuterte Tobias Trevisan, Geschäftsführer der Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH.

An der künftigen Frankfurter Rundschau GmbH wird die ursprüngliche Eigentümerin der FR, die Karl-Gerold-Stiftung, mit zehn Prozent beteiligt. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH soll 35 Prozent an dem neuen Unternehmen halten, der Schwesterverlag Frankfurter Societät GmbH mit 55 Prozent die Mehrheit.

Trotz der Fortführung des Titels bleibt es allerdings beim erwarteten massiven Abbau der Belegschaft. Von den 450 verbliebenen Mitarbeitern übernimmt die FAZ nur 28 Redakteure, die über Frankfurt und die Region berichten sollen. Der bisherige Chefredakteur der FR, Arnd Festerling, soll die Redaktion auch in der neuen Gesellschaft führen. Rouven Schellenberger, der bislang neben Arnd Festerling die Zeitung führte, scheidet nach Angaben des Verlagshauses aus. Die überregionale Berichterstattung wird den Angaben zufolge bis zum Aufbau einer eigenständigen Redaktion weiter von der DuMont Redaktionsgemeinschaft in Berlin zugeliefert. Den Druck der Zeitung übernimmt die Frankfurter Societäts-Druckerei GmbH, die auch die FAZ druckt.

"Wir glauben an die Zukunft der Marke Frankfurter Rundschau", erklärte Hans Homrighausen, Geschäftsführer der Frankfurter Societät GmbH. Man sei zuversichtlich, die Zeitung "wirtschaftlich erfolgreich zu führen und ihr dadurch regional wie überregional eine Perspektive zu geben".

Neben der FAZ war noch ein türkischer Verlag an der FR interessiert gewesen. Das Angebot hatte der Insolvenzverwalter aber als wirtschaftlich nicht tragfähig abgelehnt. Die FR-Eigner - also vor allem der Kölner Verlag M. DuMont Schauberg und die SPD-eigene Medienholding DDVG - hatten im November für die FR Insolvenz angemeldet, nachdem das Blatt in den vergangenen Jahren hohe Verluste schrieb. Im Dezember war eine andere Qualitätszeitung, die Financial Times Deutschland, aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt worden.