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Favoriten der SZ-Medienseite:Serien des Monats

Im Juni ragten etwa heraus: die Tragödie der "Central Park Five", die Nachwirkungen eines Reaktorunfalls in Spanien und jordanische Teenager, die auf Klassenfahrt Geister wecken.

Wo die Auswahl endet, lässt sich längst nicht mehr überblicken: Jeden Monat landen unzählige Serien im Programm von Fernsehen, Mediatheken und Streamingdiensten. Lustiges, Spannendes, Nützliches - aber auch jede Menge zeitraubender Quatsch. Was davon lohnt sich wirklich? Die SZ-Medienseite stellt an dieser Stelle die besten Serien des Monats vor. Im Juni sind das etwa die Tragödie der "Central Park Five", die Nachwirkungen eines Reaktorunfalls in Spanien und jordanische Teenager, die auf Klassenfahrt Geister wecken, die von ihnen Besitz ergreifen.

Stadtgeschichten

Was passiert: Nach ein paar spießigen Jahrzehnten an der Ostküste kehrt Mary Ann Singleton (Laura Linney) zurück in die Barbary Lane 28 in San Francisco. Bei Vermieterin Anna Madrigal (Olympia Dukakis) geht noch immer die LGBTQ-Community ein und aus, auch Mary Anns Adoptivtochter (Ellen Page). Als eine neugierige Dokumentarfilmerin Fragen stellt, mischen sich unter zeitgemäße Alltagssorgen auch einige Geheimnisse der Vergangenheit.

Heimlicher Star: Zu den Höhepunkten der Serie von Showrunnerin Lauren Morelli gehört eine fast komplett in den Sechzigern spielende Folge. Nicht nur, aber auch weil darin Daniela Vega als Trans-Freundin von Anna Madrigal auftritt - und keinen Deut weniger mitreißend spielt als vor zwei Jahren im grandiosen Oscar-Gewinner Eine fantastische Frau.

Nicht geeignet für: unbelehrbare Homophobe. Allen anderen dürften die Stadtgeschichten recht schnell und bisweilen kitschig das Herz wärmen. Die Bücher von Ideengeber Armistead Maupin zu kennen, ist übrigens nicht nötig, steigert aber das Vergnügen.

Zu sehen auf: Netflix (10 Episoden).

When They See Us

Was passiert: Die Miniserie erzählt den Central Park Jogger Case aus dem Jahr 1989. Fünf junge Afroamerikaner werden für die Vergewaltigung an einer weißen Joggerin im Central Park verurteilt und verbringen bis zu 12 Jahre unschuldig im Gefängnis. Ein Porträt über eine von Rassismus und Vorurteile durchtränkte amerikanische Justiz im späten 20. Jahrhundert.

Heimlicher Held: Jeder der fünf "Central Park Five" ist ein Held. Korey Wise verbrachte die längste Zeit in Gefangenschaft und überlebte soziale Isolation, Brutalität und Ungerechtigkeit.

Nicht geeignet für: Fans lockerer und lustiger Serien. Der Serie unterliegt eine düstere und erdrückende Atmosphäre, zurück bleibt die Frage nach Gerechtigkeit und Wiedergutmachung.

Zu sehen auf: Netflix (vier Folgen).

La Zona - Do not cross

Was passiert: Der Super-GAU ist bereits passiert. Drei Jahre nach einem Atomunfall kämpfen die Menschen im Norden Spaniens mit dessen Nachwirkungen: Leben in Containersiedlungen, Krebserkrankungen. Als eine Leiche mit menschlichen Bissspuren gefunden wird, stoßen die Kommissare Hector Uría (Eduard Fernández) und Martín Garrido (Alvaro Cervantes) auf eine junge Frau (Alba Galocha), die für einen Schmugglerring in der Sperrzone arbeitet.

Heimlicher Held: die omnipräsenten Schutzanzüge. Nicht, weil sie die Hilfskräfte und die atomare Putzkolonne schützen, das tun sie natürlich. Erstaunlich ist aber, dass in der spanisch-deutschen Thrillerserie, einer Koproduktion von ZDF Neo und dem spanischen Bezahlsender Movistar+, Zombies Menschen anknabbern, und doch sorgen die Anzüge für den größeren Suspense: weil sie in jeder Szene an die unsichtbare Gefahr erinnern.

Nicht geeignet für: Zart Besaitete und Zombiefilm-Fans - Menschenfresser kommen zwar vor, sie sind aber selbst nicht gut beieinander.

Zu sehen auf: DVD und in der ZDF-Mediathek (acht Folgen).

NOS4A2

Was passiert: Zachary Quinto flitzt als komisches Gespenst in einem alten Rolls Royce durch New England und sucht Kinder heim; eine alte Holzbrücke, die mal da ist und mal nicht, scheint in die Vergangenheit des Städtchens Haverhill zu führen. Das Fantastische ist aber nur Beiwerk für das ganz profane Leben der jungen Vic McQueen, die dem Gespenst auf die Schliche kommt, obwohl sie mit ihren getrennten Eltern, der College-Bewerbung und den reichen Mitschülern, bei denen sie mit ihrer Mutter putzen muss, viel ernstere Probleme hat.

Heimlicher Held: Vics komplett überforderter, Steuern hinterziehender Vater, der mit einer Frau zusammenwohnt, die aus alten Kronkorken Ohrringe bastelt und sie Beer-Rings nennt. Ein Typ, den man eigentlich komplett unsympathisch finden sollte, der dann aber trotz aller Schwächen eine rührend realistische und komplexe Beziehung zu seiner Tochter hat, die man in einer Serie, in der auch Gespenster vorkommen, nicht erwarten würde.

Nicht geeignet für: Alle, die Stranger Things und Es nicht mögen. Oder den komplexen Gesellschaftskosmos amerikanischer Kleinstädte.

Zu sehen auf: Amazon (zehn Folgen).

Dschinn

Was passiert: Eine jordanische Schulklasse macht einen Ausflug in die Felsenstadt Petra. Statt den Anweisungen der Lehrerin zu folgen, setzt sich eine Gruppe Teenager ab und weckt Geister, die nur darauf warten, nacheinander Besitz von ihnen zu ergreifen. Abgesehen von der übersinnlichen Thematik und den eindeutig zu vielen US-Teeniekomödien-Szenen, eröffnet Netflix mit Dschinn seinen Zuschauern eine andere Welt. Der Nahe Osten ist hier zur Abwechslung mal friedlich, hübsch zurechtgemacht, sauber.

Heimlicher Held: Der Vater der Hauptdarstellerin Mira. Er ist auch in Ausnahmesituationen verständnis- und liebevoll. Kein Klischee vom orientalischen Patriarchen, der alles Weibliche unterdrückt.

Nicht geeignet für: Menschen, die mit übernatürlichen Mysteryserien und Wüstenstaub eher nichts anfangen können und lieber Serien mit New Yorker Bürogebäuden gucken.

Zu sehen auf: Netflix (fünf Folgen).

Feud

Was passiert: Anfang der Sechziger stagnieren die Karrieren der Schauspielerinnen Bette Davis und Joan Crawford. Also tun sich die langjährigen Konkurrentinnen (Susan Sarandon und Jessica Lange) zusammen und suchen sich ihren Stoff selbst: die Verfilmung des Psychothrillers Was geschah wirklich mit Baby Jane. Aber Frauen, die sich solidarisieren, sind per se gefährlich - und deshalb strengen die Männer hinter der Kamera sich mächtig an, die beiden gegeneinander aufzuhetzen.

Heimlicher Star: Stanley Tucci als sexistisch-intriganter Filmproduzent. Fieslinge spielen zahlt sich eben meistens aus.

Nicht geeignet für: Menschen auf der Suche nach Gegenwart. Der Retro-Faktor ist doch sehr hoch. Alle, die Mad-Men-Nostalgie und beißende Dialoge mögen, werden Feud dagegen mögen.

Zu sehen auf: TV Now (acht Folgen).