"Deutschland tanzt" "Deutschland ist voller Drogen"

Noch ein paar andere Dinge gehen schief an diesem Abend. Um es spannender zu machen, dauert die Show geschlagene vier Stunden. In dieser Zeit treten 18 Tanzende für 16 Bundesländer gegeneinander an. Zu jedem von diesen gibt es einen quälenden Einspielfilm, am Ende wird schlimmerweise noch zu allen 16 "Partylocations" in allen Bundesländern geschaltet. Bestenfalls sind dort kreischende Menschen in rosa Glitzerkostümen zu sehen, schlechtestenfalls Cheerleader, Barbesucher aus Magdeburg oder Wohnzimmereinrichtungen aus der Hölle. Mal versagt die Akustik, so dass dieser eine Ex-Kandidat aus dieser ehemaligen Show, den man kaum erkennt, auch kaum verstanden wird.

Aus Bayern wird gleich ein ganz falsches Abstimmungsergebnis verlesen, im Hintergrund betrinken sich Frauen im Dirndl auf der Alm. "Deutschland ist voller Drogen", witzelt der Moderator, verkennt dabei allerdings, dass sich die Zustände beim Fernsehen nicht unbedingt auf das ganze Land übertragen lassen. Auch wenn das vielleicht besser wäre angesichts dieser Veranstaltung, die eher einer Karnevalssitzung aus den 60er Jahren ähnelt als einer neuen, frischen Show für das 21. Jahrhundert.

Aber gibt es nicht wenigstens schöne Menschen in phantasievollen Kostümen zu sehen, die sich toll bewegen? Nun ja. Model Shermine Shahrivar, zweifellos eine der schönsten Frauen im Lande, trägt eines dieser Glitzerdresses, die schon den Show-Standardtanz mit seinen festgetackerten Grinsegesichtern zu einer unerträglichen Angelegenheit machen, und statt zu tanzen legt sie einen halben Softporno aufs Parkett. Taynara Wolf, deren Mutter ihr das Tanzen nicht nur in die Wiege gelegt, sondern auch gezielt beigebracht hat, war bei GNTM zu sehr Tänzerin zum Modeln und ist hier zu sehr Model zum Tanzen. Aber vielleicht gibt es für sie ja später auch mal eine eigene Show.

Avelina Boateng, Schwester des gleichnamigen Fußballspielers, wird von der Jury für eine eher platte Darstellung einer Liebe zwischen Ost und West über den grünen Klee gelobt. Immerhin kann sie wirklich tanzen. Auch Moderatorin Janin Ullmann macht auf der Bühne eine gute Figur, ähnlich wie Künstler Friedrich Liechtenstein in seiner Paraderolle, einer Mischung aus Helge Schneiders Sergeij Gleithmann und dem späten Joe Cocker.

Eigentlich reißt den Zuschauer aber nur eine richtig mit: Kassandra Wedel aus München, Schauspielerin und gehörlos, legt einen wirklich beeindruckenden und schlicht mitreißenden Auftritt hin. Sie kann die Musik nicht hören, sondern nur die Bässe fühlen.

Aber am Ende gewinnt dann doch wieder Trump. Das heißt: Oliver Pocher, der Trump halbwegs treffend parodiert. Bevor jetzt aber wieder aufgeregte Kritik laut wird, dass schon wieder ein Trump gegen eine besser qualifizierte Frau obsiegt, seien diese Kritiker gleich beruhigt: Es gibt kommenden Samstag die Möglichkeit zur Revanche auf demselben Sender zur selben Zeit. Und nach dem Finale übernächsten Samstag wird die Sendung dann auch schon wieder beendet. Spätestens danach gehen wir dann wieder selbst tanzen. Versprochen?

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