bedeckt München 23°

Deutscher Fernsehpreis:Königsdisziplinen

Wer steht im Licht? Die Stifter des Deutschen Fernsehpreises ändern die Gewinnerkategorien und drängen fiktive Formate in den Hintergrund. Das verbessert die Aussichten für die privaten Sender, verärgert aber andere.

Als Anke Engelke und Bastian Pastewka im vorigen September in der Maske des Volksmusikpärchens "Wolfgang und Anneliese" die Gala zur Verleihung des Deutschen Fernsehpreises moderierten, lieferten sie eine hübsche Gebrauchsanleitung zum Umgang mit dem Preis. "Den stellt man in den Essbereich, da sieht ihn jeder gleich", trällerten sie und zeigten damit jene Ironie, die der Veranstaltung lange gefehlt hatte. Ein Jahr nach der Wutrede von Marcel Reich-Ranicki sahen nicht wenige den Fernsehpreis auf dem besten Weg, wieder an Bedeutung zu gewinnen.

Deutscher Fernsehpreis 2009

Im vergangenen Jahr moderierten  die Komiker Anke Engelke und Bastian Pastewka als Volksmusik-Duo "Anneliese und Wolfgang" die Verleihung des Deutschen Fernsehpreises. Die gute Stimmung von damals ist vielen inzwischen vergangen.

(Foto: ddp)

Am 9. Oktober wird der von ARD, ZDF, RTL und Pro Sieben Sat1 gemeinsam gestiftete Deutsche Fernsehpreis zum zwölften Mal vergeben. Doch vor der Gala machen nun heftige Vorwürfe und Verschwörungstheorien die Runde. Grund ist eine Änderung der Preiskategorien, die die Stifter Anfang August beschlossen. Ein "weiter entwickeltes Kategoriensystem" nennen es die Ausrichter. Nicht alle Beteiligten sehen das so.

Mit der Reform wird vor allem das Übergewicht der Fiktion zurückgedrängt. Preise für Nebenrollen, Schnitt, Kamera, Buch, Musik und Ausstattung gingen traditionell an Kreative vom Fernsehspiel, bei dem die Öffentlich-Rechtlichen viel zu bieten haben. Nun fallen diese Kategorien weg, so soll es mehr Gleichbehandlung für Unterhaltung und Information geben - und wohl auch mehr Gewicht für die Privatsender. "Formatentwicklungen zum Beispiel in der dokumentarischen Unterhaltung konnten im bisherigen System nicht adäquat berücksichtigt werden, die Kamera in der Dokumentation, Showregisseure, Bühnenbildner und Comedyautoren wurden nicht gesondert berücksichtigt. Diese für das Fernsehen so wichtigen Leistungen haben im neuen System bessere Chancen", erklärt WDR-Intendantin Monika Piel als Vertreterin der Stifter auf SZ-Anfrage.

Problem Publikumstauglichkeit

Die ARD wird die Gala in diesem Jahr übertragen. Bei der Reform dürfte es durchaus auch um den Konflikt gehen, der dann entsteht, wenn man viele Menschen ehren und zugleich eine spannende TV-Gala ausrichten will. Die "organisierte Unvereinbarkeit" hat ein kluger Mann das mal genannt. Zum Problem der Preisverleihung gehört, dass sie Publikumstauglich sein soll. Die Gala im Vorjahr war unter diesem Aspekt die bislang beste. Dennoch sahen nur 5,2 Prozent aller Zuschauer die Übertragung bei Sat1, ein Ergebnis weit unter Senderschnitt.

Die beschlossenen Änderungen wurden bisher eher nebenbei und nicht sonderlich ausführlich kommuniziert. Ein Fehler, den Stifterin Piel aber nicht als solchen sieht. "Dass der Deutsche Fernsehpreis Kontroversen auslöst, das gehört dazu. Stifter und Beirat waren sich also vollkommen im Klaren darüber, dass die Reform nicht auf ungeteilte Zustimmung stoßen würde, und zwar ganz unabhängig davon, wie wir die Reform ankündigen."

Bayerischer Fernsehpreis

Im Zeichen des Panthers