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Debatte um Verlags-Verkauf:Kirche streitet um Weltbild

Konservative gegen Liberale: Darf die Kirche den Weltbild-Verlag behalten, in dem auch erotische Literatur angeboten wird? Katholische Bischöfe sind uneins, was sie mit dem Augsburger Medienkonzern anfangen sollen.

Soll man das schmuddelige Hemd wegwerfen? Oder lieber waschen und weiterverwenden? Diese Frage diskutierten am Montag die katholischen Diözesanbischöfe bei der Sitzung des Ständigen Rates der Deutschen Bischofskonferenz in Würzburg. Sollen die Diözesen die Verlagsgruppe Weltbild GmbH verkaufen, weil man über ihre Internetseiten auch Erotik- und Esoterik-Bücher kaufen kann? Oder genügt es, wenn man diesen Vertriebskanal, der weniger als 0,017 Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht, zudreht?

Weltbild Verlag Augsburg

Erleichterung in der Augsburger Zentrale des Weltbild-Verlags, Geschäftsführer Carel Halff sieht "Ruhe und Stabilität" für das Unternehmen.

(Foto: dpa)

Die Meinungen der Bischöfe gingen nach Informationen der SZ weit auseinander. Die Diskussion war offenbar so verfahren, dass das Thema zwischenzeitlich zur Seite gelegt wurde, um andere Tagesordnungspunkte abzuarbeiten.

Erst am späten Nachmittag wurde wieder über Weltbild gesprochen, so dass ein Ergebnis frühestens am Abend erwartet wurde - oder gar erst am Dienstag. Ein juristisch wirksamer Beschluss kann in Würzburg nicht fallen, da über einen Verkauf nur die Gesellschafterversammlung entscheiden kann. Dennoch gilt das Votum der Bischöfe als wegweisend.

In der Weltbild-Zentrale in Augsburg wartete man am Montag gespannt auf ein Ergebnis aus Würzburg. Geschäftsführung und Pressestelle waren telefonisch nicht zu erreichen. Per E-Mail ließ Geschäftsführer Carel Halff ausrichten, während des "innerkirchlichen Meinungsbildungsprozesses" könne sich das Unternehmen "nicht äußern".

Der Betriebsratsvorsitzende Peter Fitz ist da gesprächiger. Er appelliert an die soziale Verantwortung der Kirche für die 6400 Mitarbeiter: "Vor einem Verkauf müssten die Eigentümer einen Sozialtarifvertrag abschließen, damit eine Zerschlagung ausgeschlossen ist." So sollte ein möglicher Käufer Mitglied im Arbeitgeberverband sein und zusagen, dass die Ansprüche der Belegschaft erhalten bleiben. 2000 Mitarbeiter sind in Augsburg tätig, der Rest in 500 Filialen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Weltbild gilt mit mehr als 1,6 Milliarden Euro Umsatz als einer der größten Medienhändler Europas.

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