Debatte um "Tagesschau"-App ARD will App-Streit "unverzüglich" schlichten

Zeitungsverleger und öffentlich-rechtliches Fernsehen haben im Streit um die "Tagesschau"-App bislang einen bürokratischen Kleinkrieg geführt. Jetzt soll plötzlich alles ganz schnell gehen. Nach dem Gerichtsverfahren will die ARD "unverzüglich" auf die Verleger zugehen. Eine fast unglaubliche Äußerung.

Von Christopher Keil

Es ist inzwischen ein ziemlicher langer Weg, den die deutschen Verleger und die öffentlich-rechtlichen Sender gehen, ein langer getrennter Weg bislang. Bereits im vergangenen Winter schien eine Einigung im Streit um die Tageschau-App der ARD gefunden. Acht deutsche Pressehäuser, darunter Springer, FAZ und Süddeutscher Verlag, klagten vor dem Landgericht in Köln gegen das digitale Angebot des öffentlich-rechtlichen Fernsehens.

Angesichts des seit Monaten ungelösten Konflikts um die "Tagesschau"-App erscheint die nun angestrebte Annäherung beinahe unglaublich.

(Foto: dpa)

Sie werfen der ARD vor, ein presseähnliches, auffällig textlastiges Produkt im Netz zu verbreiten. Der Konsens schien darin zu liegen, dass TV-Veranstalter sich in ihren Internet-Ablegern auf Bewegtbilder konzentrieren.

Doch dann wurde um Formulierungen gefeilscht, Termine kamen nicht zustande, das ZDF verhielt sich plötzlich zurückhaltend, weil es einen Wechsel an der Spitze der Anstalt gab. Am 19. Juli wird der zunächst ausgesetzte Gerichtsprozess fortgesetzt. Danach allerdings, so erklärte es an diesem Dienstag die Vorsitzende der ARD, Monika Piel, wolle sie auf die Zeitungsverleger zugehen. Piel, Intendantin des WDR, vertritt die Werte der ARD. Helmut Heinen spricht als Präsident des Bundesverbandes der Zeitungsverleger (BDZV) für die beteiligten Zeitungsunternehmen.

Nicht allen ARD-Managern sind die zeitlichen Abläufe, der lange Marsch, angenehm. Der eine oder andere fragt sich schon seit Wochen, warum die Angelegenheit nicht beschleunigt wird. Auch gibt es Intendanten, die den Kampf um den Erhalt des Qualitätsjournalismus vor allem gemeinsam mit Verlegern seriöser Blätter führen wollen, den Gegnern im App-Streit.

Am Rande der Intendantentagung in Schwerin gab sich Piel nun "ganz stark" an einer Einigung interessiert - im Namen der ARD: "Selbst wenn wir den Prozess gewinnen, werden wir unverzüglich auf die Verleger zugehen." Angesichts des mittlerweile monatelang ungelösten Konflikts ist "unverzüglich" eine beinahe unglaubliche Äußerung. Was davon übrig bleibt, ist sicher sehr bald feststellbar.