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Buzzfeed-Start in Deutschland:Miau!

Buzzfeed startet in Deutschland

Die Hälfte der Konsumenten schauen Clips auf mobilen Geräten an. Auch für Buzzfeed Deutschland sind sie eine wichtige Größe.

(Foto: dpa)

Buzzfeed gibt es jetzt auch in Deutschland. Die US-Website will als jung, wild und dabei total gelassen verstanden werden, zum Start gibt es gewohnt leichte Kost mit Listen und Videoclips. Gefeiert wurde der Start im Berliner Katzencafé.

Von Anna Günther

Die Internetplattform Buzzfeed ist für ihre Kätzchenvideos und Hitlisten zu heißen Fußballspielern oder absurden Reisezielen bekannt und war bisher vor allem ein amerikanisches Internetphänomen.

An diesem Mittwochabend nun ging die deutsche Seite online. Die frühere Social-Media-Redakteurin von Zeit und Zeit online, Juliane Leopold, leitet Buzzfeed Deutschland und wird mit drei Schreibern von Berlin-Mitte aus deutschsprachige Inhalte liefern. In ihrem neuen Team arbeiten die Blogger Sebastian Fiebrig, Philipp Jahner und Nina Scholz vom Magazin Interview.

Das amerikanische Unternehmen kokettiert gerne mit seinem Hang zur leichten Unterhaltung, die Flyer zum Deutschland-Start jedenfalls zeigten Kätzchen, die auf dem Reichstag herumtollen.

Zwei Stunden nach dem Startschuss im Netz fand die analoge Party statt - natürlich in einem Katzencafé im gentrifizierten Teil Neuköllns. Etwa 35 Gäste aus der sogenannten Medienbranche bekamen am Eingang orangefarbene Halsbänder mit "meow" und "cute"-Buttons in die Hand gedrückt, zwischen ihren Füßen schlichen die Kater Pelé und Caruso umher, am Hals trugen sie das Buzzfeed-Halsband. In Sachen Selbstvermarktung ein glanzvoller Start.

Buzzfeed will als jung, wild und dabei total gelassen verstanden werden, Chefredakteurin Juliane Leopold kann das nur bestätigen: Seit August kümmert sie sich um die deutsche Version und schon lange habe sie nicht mehr so entspannt gearbeitet, sagte sie in Berlin.

Spaßige Inhalte kommen oft besser an als Nachrichten

Keine Gespräche über die Zeitungskrise - und Gelassenheit auf der anderen Seite des Atlantiks, Hauptaussage: "Macht erst mal". Große Erwartungen habe sie nicht, die Webseite ging gerade online, das Team will abwarten. Sukzessive sollen weniger englische und mehr deutsche Texte auf die Seite kommen.

Seit zwei Jahren versucht Buzzfeed auch Nachrichten und investigative Geschichten zu lancieren, aber die spaßigen Inhalte kommen beim Leser deutlich besser an. Entsprechend konzentrieren sich die Neugründungen auf die reine Unterhaltung mit Listen oder Videoclips, erklärte der Expansionsbeauftragte Scott Lamb.

Die britische Buzzfeed-Version etwa ist seit anderthalb Jahren online, erst seit acht Monaten liefern Redakteure Stücke zu Lifestyle, Promis und News. Auch das Team um Juliane Leopold beginnt mit leichter Kost; wenn das gut läuft, sollen andere Inhalte folgen. Dennoch verspricht sich Scott Lamb viel von Buzzfeed News. In Deutschland, sagte er im Katzencafé, wollten die Leute "noch viel Informationen und Nachrichten".

Geteilte Artikel zählen mehr als Klicks

Wichtiger als die Homepage sind soziale Netzwerke. Gerade die vielen deutschen Nutzer von Facebook und dem Nachrichtendienst Whatsapp machen diese Dienste für Buzzfeed interessant, 75 Prozent der User kommen über sie.

Die Hälfte der Konsumenten schaut Clips auf mobilen Geräten an. Entsprechend zählen "Shares", also geteilte Artikel, mehr als Klicks auf der Webseite. Langfristig könnte sich Leopold auch vorstellen, Buzzfeed Nachrichten via Whatsapp zu verschicken; die BBC und der Schweizer Rundfunk hatten das kürzlich getestet.

© SZ vom 17.10.2014/pak

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