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"Borgia" im ZDF:Stabiler Sinkflug

Den Papst als intriganten, saufenden alten Mann sahen in der ersten Folge mehr als 6 Millionen Zuschauer, davon ein Viertel unter 50 Jahren. Nun geht es mit der Miniserie "Borgia" im ZDF konstant bergab.

Jan Mojto war wie immer aufgeregt. Er mag die Tage vor Start eines neuen, von ihm gestalteten Films oder Mehrteilers nicht. Noch weniger mag er die Nächte. Er finde dann kaum Schlaf, sagte er vor ein paar Jahren einmal in kleiner Runde. Was erstaunt für einen 63-jährigen Mann, der seine Bildung auch in sieben Sprachen ausdrücken kann und weiß, wie wenig eine Quote so oft über das Niveau einer Produktion mitteilt.

Borgia (1) Ein historischer Sechsteiler von Tom Fontana Produziert: Tschechien,Vereinigte Staaten von Amerika,Deutschl, 2011 Gemeinschaftsproduktion von Atlantique Productions und EOS Entertainment GmbH

Ehrgeizig und noch erfolgreich: "Borgia" mit John Doman als Rodrigo Borgia und Isolda Dychauk als Lucrezia.

(Foto: ZDF/Larry Horricks)

Damals, im Januar 2008, zeigte das ZDF Krieg und Frieden, ko-produziert von Mojtos Firma Eos. Angesichts des monumentalen Buches von Tolstoi konnte man für die vier Folgen auch mit de, Schlimmsten rechnen. Aus heutiger Sicht war Mojtos Krieg und Frieden die künstlerisch etwas holprige Probe für ein noch ehrgeizigeres Projekt, das am Ende 25 Millionen Euro kostete: Borgia.

Krieg und Frieden hatte für das ZDF schmeichelhafte Quoten. Doch Borgia ist - geschrieben und dramaturgisch entwickelt vom Amerikaner Tom Fontana - reifer, besser, auch besser aussehend. Folge eins erreichte am Montag der vergangenen Woche 6,21 Millionen Menschen, mehr als ein Viertel war unter 50 Jahre alt, was einem Marktanteil von beinahe 13 Prozent entsprach, also einer Verdoppelung des bisher vom ZDF erzielten Jahresmarktanteils in dieser Zielgruppe.

Ehrgeizig ist Borgia (Mojtos Partner ist Atlantique aus Frankreich), weil es international in zwölf circa 50-minütigen Folgen verkauft wurde, weil daraus für das ZDF eine sechsteilige Schnittfassung mit je 100 Minuten wurde, und weil der Papst per se als das auftritt, was er in der Renaissance war: ein intriganter, vögelnder und saufender alter Mann. Borgia erzählt vom Katalanen Rodrigo Borgia (John Doman), der 1492 in Rom zum Papst (Alexander VI.) gewählt wurde und seine Macht in wechselnden Allianzen, mit Hilfe seiner Kinder und trotz seiner Mätressen behauptete.

An diesem Montag kam Folge vier noch auf 4,6 Millionen, davon fast 1,2 Millionen Junge. Mojtos ZDF- Borgia ist auf stabilem Sinkflug. Die Teile fünf und sechs werden an diesem Mittwoch- und Donnerstagabend ausgestrahlt.

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