Journalismus Das sind die Podcast-Tipps des Monats

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Teufelspakte, Zeitreisen und zwei Superpopnerds unter sich: SZ-Redakteure stellen die besten Podcasts vor, die es gerade zu hören gibt.

Podcasts haben einen neuen Boom des Geschichtenhörens ausgelöst - im Fiktionalen wie im Dokumentarischen und bei Ratgebern. Sie befördern neue Formate, etwa Serien, und bringen neue Produzenten hervor. Die SZ stellt von nun an jeden Monat ihre Favoriten vor.

Meister und Margarita

www.bayern2.de/podcast

Man könne, hat der Schauspieler Manfred Zapatka anlässlich seiner Rolle in der Hörspieladaption von Michail Bulgakows herrlich überdrehtem Roman gesagt, in diesem Genre auch ohne riesige Produktionsbudgets die tollsten Dinge tun. Zum Beispiel sich mit dem Teufel einlassen. So wie es einige Bürger Moskaus tun, manche freiwillig, andere notgedrungen. Es drängt sie nach Freiheit, und doch geraten sie immer tiefer in elendige Verstrickungen. Das ist oft komisch, manchmal zum Verzweifeln traurig und sowohl mit großer Kraft gespielt, unter anderem von Karl Markovics, Samuel Finzi und Thomas Thieme, als auch klug inszeniert von dem formidablen Klaus Buhlert. Letztlich ist es eine Geschichte darüber, wie Wahrheit und Realität definiert werden von denen, welche die Macht dazu haben. Der Bayerische Rundfunk wird fortan jeden Monat einen literarischen Hörspiel-Mehrteiler aus seinem Archiv als Podcast anbieten, im Februar dann Orlando von Virginia Woolf, im März Chronik der Gefühle von Alexander Kluge und im April Elfriede Jelineks Am Königsweg.

Stefan Fischer

Heavyweight

www.gimletmedia.com/heavyweight

Jonathan Goldstein geht zurück zu dem Moment, an dem sich alles geändert hat für seinen Gesprächspartner. Nach diesem Prinzip konfrontiert der amerikanisch-kanadische Autor und Humorist Menschen mit den entscheidenden Augenblicken und Rätseln aus ihrer Vergangenheit. Gregor zum Beispiel, der vor zwanzig Jahren ein paar CDs an einen Freund verlieh, der sie zu einem Technotrack sampelte und so zu dem Popstar Moby wurde. Oder Isabel, die auf der Straße einen alten Koffer voller Liebesbriefe fand und sich seither fragt, was aus dem Paar geworden ist. Goldstein begleitet seine Protagonisten zu denkwürdigen Treffen, steht als ermutigender Berater mit selbstironischer Unbeholfenheit zur Seite. Heavyweight ist ernsthaft immer dort, wo die Geschichten berührend sind, aber eigentlich vor allem wahnsinnig komisch. Drei Staffeln des amerikanischen Podcasts von Gimlet Media mit insgesamt 23 Folgen gibt es inzwischen, die vierte ist in Produktion.

Aurelie von Blazekovic

Das Boot

www.drehbuchautoren.de/stichwort-drehbuch

Seit es dieses Serienfernsehen gibt, werden Drehbuchautoren gehandelt wie Feinmechaniker eines Wunders. Aber Begriffe wie "horizontales Erzählen" oder "Writers Room" geben dem Zuschauer nicht so wahnsinnig viel. Spannender ist es, wenn den Autoren eine Stunde lang so gepflegt und unaufgeregt Löcher in den Bauch gefragt werden wie in dem Podcast Stichwort Drehbuch, den der Verband Deutscher Drehbuchautoren ungefähr einmal im Monat ins Netz stellt. Aktuell erzählt Johannes Betz von der Arbeit für die achtteilige Sky-Serie Das Boot und von abenteuerlichen Sachen wie zensierten Logbüchern und einer geheimnisvollen Liebschaft des Ur-Boot-Autors Lothar-Günther Buchheim. Wer danach mehr will, kann sich festhören: Bei Ruth Thoma (Der Junge muss an die frische Luft) oder bei Evi Romen und David Schalko, deren Serie M - Eine Stadt sucht einen Mörder im Frühjahr das nächste große Ding sein dürfte, über das alle reden.

Claudia Tieschky

Broken Record

www.brokenrecordpodcast.com

Wenn mit dem New-Yorker-Autor Malcolm Gladwell einer der berühmtesten Journalisten der Welt und mit Rick Rubin einer der wichtigsten und erfolgreichsten Pop-Produzenten der vergangenen 30 Jahre einen gemeinsamen Podcast über Popmusik machen, was kann man dann erwarten? Details, Details, Details. Und natürlich sonstige absolut lebenswichtige Spezial- und Hintergrundinformationen. Es kann also gut sein, dass man plötzlich in den erkenntnistheoretischen Untiefen des norwegischen Black Metal landet. Oder bei den drei unbekannten Songwritern, die in den Siebzigern den Country revolutionierten. Anders gesagt: Wer Pop-Musik liebt oder sich wenigstens sein Leben am liebsten an Songs von Genies wie Tom Petty oder Nile Rodgers entlang selbst erzählt, der wird mit Broken Record sehr glücklich werden. Alle anderen eher nicht so, denn hier sind die Superpopnerds unter sich.

Jens-Christian Rabe

Auch die SZ macht Podcasts. Hören Sie jetzt den neuesten Audio-Beitrag des Frauenwirtschaftsmagazins Plan W: