Berliner Zeitung Erboster Verleger

Rouven Schellenberger, bisher mit Vorkötter und Fehrle der dritte Kopf der beiden aneinandergekoppelten Chefredaktionen, soll sich künftig ums Digitale kümmern. Wie es heißt, hat die Personalrochade mehrere Gründe. Einer davon soll das Interview mit Döpfner gewesen sein.

Uwe Vorkötter im Jahr 2007 mit einer Testausgabe der FR im Tabloid-Format.

(Foto: dpa)

Alfred Neven DuMont, der 85-jährige Verleger und patriarchalische Kopf der DuMont-Gruppe, soll über das Gespräch mit dem Springer-Chef im eigenen Blatt furchtbar erbost gewesen sein, heißt es aus seinem Umfeld. Wie man hört, soll der Verleger seit der kritischen Berichterstattung des Springer-Blattes Bild über seinen ausgesprochen eigenwilligen Sohn und früheren Kronprinzen Konstantin Neven DuMont eine ausgeprägte Springer-Abneigung pflegen.

Dass sein Erster Journalist ausgerechnet den Springer-Boss nur ein Jahr nach den Vorfällen zum großen Interview lädt, soll DuMont-Senior persönlich genommen haben, sagt jemand, der ihn lange kennt.

Kann es sein, dass ein einzelnes - handwerklich tadelloses - Interview eine solche Karriere beendet? Wer sich bei DuMont umhört, erhält als Antwort auf diese Frage zumindest kein eindeutiges Nein. Alfred Neven DuMont sei nun mal "ganz alte Schule", heißt es. Ein Patriarch. Einer, der professionelle Entscheidungen auch nach sehr persönlichen Gemütslagen fälle. Ein DuMont-Sprecher sagte auf Anfrage: "Hintergründe von Personalentscheidungen werden von uns grundsätzlich weder kommuniziert noch kommentiert."

Aus dem Verlag hört man aber auch, dass andere Dinge durchaus eine Rolle gespielt hätten. Die von Vorkötter erfundene und seit 2010 durchgesetzte enge Kooperation zwischen FR und Berliner Zeitung laufe deutlich holpriger als erwartet, heißt es. Nicht wegen der Qualität der Berichterstattung aus den fusionierten Ressorts, auch nicht wegen mangelnder Kostenersparnis. Das Problem sei die FR - der es trotz der engen Anbindung an die Berliner Zeitung schlechter geht als gehofft.

Das seit Jahren hochdefizitäre Blatt soll 2011 schon wieder rund 20 Millionen Euro Minus gemacht haben. In der Kölner Zentrale wachse deshalb die Nervosität, heißt es. Was, wenn die FR trotz aller Mühen und Sparrunden nicht zu retten ist? Die Zahl derer, die im Verlag fürchten, dass das einstmals wichtigste linke Blatt des Landes die finanziell solide Schwesterzeitung in der Hauptstadt mit in den Abgrund zieht, wachse stetig.