Bambi-Verleihung 2011 Peinlich-TV statt große Show

Lady Gaga, Jopi Heesters, Helmut Schmidt - kaum ein Promi ist vor der Burda-Trophäe sicher. Sogar Skandal-Rapper Bushido bekam gestern Abend das goldene Rehkitz verliehen - ausgerechnet für Integration. Am Ende freute sich der Zuschauer sogar über dieses kleine Skandälchen, sorgte es immerhin für den einzigen Spannungsmoment des Abends.

Von Verena Wolff

Bambi-Gucken ist inzwischen ein bisschen wie Fußball-Nationalmannschaft gucken: Mit vielen Köpfen kann man nichts mehr anfangen. Dass der durchschnittliche Zuschauer des öffentlich-rechtlichen Fernsehens die Nominierten und Preisträger in den Kategorien Newcomer, Talent oder Nachwuchskünstler nicht mehr kennt - geschenkt. Aber auch die Köpfe im Publikum sind nicht mehr nur die aus der ersten Promi-Reihe.

Bushido mit seinem Bambi und Begleiterin

(Foto: Getty Images)

Nicht Klinsmann, Matthäus oder Völler - um im Fußballbild zu bleiben. Sicher sind sie da, die inzwischen immer faltiger werdenden Konstanten der deutschen Fernsehunterhaltung. Die üblichen Verdächtigen. Einige von ihnen bekommen sogar selbst ein goldenes Rehkitz: Thomas Gottschalk, 61, für seine Wetten, dass..?-Sommerausgabe als "Bestes TV-Ereignis", Ruth Maria Kubitschek, 80, für ihr Lebenswerk.

Und einer bekommt immer einen Bambi, seit er 105 ist: Johannes Heesters. Doch der inzwischen immer peinlichere Auftritt des Niederländers ist keiner mehr für die große Show Anfang November. Schon im vergangenen Jahr bekam Jopi, 107, den Preis an seinem Geburtstag verliehen. Ganz ohne Fernsehkameras. So soll es auch in diesem Jahr sein. Mit Bambi Nummer zehn zum 108.

Schmidt sagt, was Schmidt halt so sagt

Wie immer braucht man braucht Sitzfleisch beim Bambi, für die vielen Preise und die recht öden Einspielfilmchen. Um durch die B- und C-Prominenz hindurch die wirklich Wichtigen zu erspähen. Und die, die tatsächlich etwas zu sagen haben. Helmut Schmidt ist so einer. Der Altkanzler, inzwischen 92, bekam den Millenium-Bambi aus den Händen von Sandra Maischberger.

Übertrieben sei das alles gewesen, was sie und Burdas Jury in der Laudatio gesagt haben, "eine Nummer zu groß". Gefreut haben ihn die warmen Worte trotzdem, wie Schmidt gerne zugibt. Und lässt es sich nicht nehmen, der (relativen) Jugend im Saal ins Gewissen zu reden: über die Wichtigkeit Europas. Über die Einheit. Und über den Wohlstand.

Schmidt sagt, was Schmidt oft sagt. Und doch verfehlen die Worte des früheren Kanzlers nie ihre Wirkung. Auch nicht bei den Stars und Sternchen der deutschen Unterhaltungsbranche.

Sätze, die saßen

Weniger Worte brauchte Peter Plate, die eine Hälfte des Duos Rosenstolz, das das Rehkitz für das Comeback des Jahres bekam. Doch die paar Sätze, mit denen er seine Dankesrede schloss, saßen: "Ich will mich freuen, aber ich will morgen auch noch in den Spiegel schauen können", sagte er und legte los: "Es ist sehr wichtig, dass wir einander Chancen geben auf dieser Welt. Aber jemanden, der frauenfeindliche, menschenverachtende Texte gesungen hat, so einen Musiker auszuzeichnen, finde ich nicht korrekt."

Gemeint war Skandal-Rapper Bushido, der kurz nach Rosenstolz einen Bambi in Sachen Integration bekommen sollte. Der Deutsch-Tunesier aus Berlin machte zunächst gute Miene - nahm seinen Preis dann aber doch mit einer gewissen Nervosität entgegen. Sprach schnelle und etwas wirre Halbsätze. Wahrscheinlich wollte er sagen, dass viele Menschen eine zweite Chance verdienen. Solche wie er, die erst abgerutscht sind und sich dann wieder gefangen haben. Dass jeder hinter den Schein schauen sollte.

Eklat um Bushidos Bambi

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