Aus für "News of the World":"Was hier passiert, ist einzigartig"

Mit der Einstellung von Rupert Murdochs Skandalblatt stehen 200 Menschen plötzlich auf der Straße. Klagen können sie gegen ihre Entlassungen zwar nicht, aber sie dürfen wohl auf finanzielle Entschädigungen hoffen, sagt der britische Arbeitsrechtler Nicholas Squire.

Lena Jakat

Zahllose Zeitungsverlage sind an der Medienkrise kaputtgegangen. In der Abwicklung solcher Insolvenzen haben Berater und Juristen Erfahrung. Mit News of the World schließt urplötzlich ein äußert erfolgreiches Zeitungshaus - wohl zum ersten Mal in der Mediengeschichte. Was passiert mit den 200 Reportern und Redaktionsmitarbeitern, die bei Großbritanniens größtem Boulevardblatt beschäftigt waren? Stehen sie schon am Montag auf der Straße? Nicholas Squire, 45, leitet die Abteilung Arbeitsrecht bei einer großen internationalen Anwaltskanzlei in London. Im Interview mit sueddeutsche.de spricht er über Abfindungen und Perspektiven.

sueddeutsche.de: Rupert Murdoch hat angekündigt, News of the World nach der Ausgabe vom Sonntag zu schließen. 280 Angestellte müssen um ihre Jobs fürchten. Was passiert mit ihnen?

Nicholas Squire: Es könnte sein, dass sie in einer Schwesterfirma unterkommen. News International ist ja ein ziemlich großer Konzern. Das Boulevardblatt Sun ist der News of the World ja in Inhalt und Haltung sehr ähnlich. Oder sie werden entlassen.

sueddeutsche.de: Geht das denn einfach so?

Squire: In Großbritannien gibt es überhaupt keine Voraussetzungen dafür, Mitarbeitern zu kündigen. Im Prinzip kann jeder Arbeitgeber an jedem beliebigen Tag plötzlich entscheiden, sein Personal zu kündigen und kann das dann auch einfach machen. Er muss dann halt die finanziellen Konsequenzen tragen.

sueddeutsche.de: Wie sehen die im Fall von News of the World aus?

Squire: Bevor Jobs abgeschafft werden können, muss sich der Arbeitgeber eigentlich mit den Arbeitnehmervertretern beraten. Verstößt das Unternehmen gegen diese Auflage, muss er eine Art Schadensersatz zahlen. Oder er beruft sich auf "besondere Umstände". Aber meiner Erwartung nach wäre es für den Verlag schwierig, mit den Umständen zu argumentieren. Schon allein weil hier so viele Informationen im Hintergrund sind, die keiner kennt. Wer im Unternehmen zum Beispiel von den Vorgängen wusste.

sueddeutsche.de: An welche rechtlichen Beschränkungen muss sich Murdoch bei der Schließung sonst noch halten?

Squire: Da gibt es viele Dinge, um die man sich kümmern muss, um Verträge mit Dritten zum Beispiel. Was hier passiert, ist ziemlich einzigartig. Es passiert schließlich nicht oft, dass ein Unternehmen so plötzlich schließt - mit einem Fingerschnippen. Im Normalfall gehen einer Schließung mehrere Monate Planung voraus, die Implementierung dauert dann wiederum einige Monate. Die Entlassung von so vielen Mitarbeitern - das lässt sich eigentlich nicht einfach so aus dem Hut zaubern.

sueddeutsche.de: Die Angestellten können also mit Abfindungen rechnen?

Squire: Das britische Recht sieht eine Entschädigung vor, wenn die Kündigungsfrist verletzt wird, außerdem eine pauschale Abfindung, je nach Alter und Dienstjahren. Ich gehe aber davon aus, dass News International seinen Leuten Abfindungspakete anbieten wird. In diese Entschädigungssummen würden alle potentiellen Forderungen der Arbeitnehmer schon reingerechnet werden. Im Gegenzug müssten sich dann die Mitarbeiter verpflichten, auf alle juristischen Schritte zu verzichten.

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