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"ARD Radiofestival":Klassik aus der Konserve

3satFestspielsommer und ARD Radiofestival

Im ARD Radiofestival 2020 zu hören: Die Bamberger Symphoniker unter der Leitung von Jakub Hrusa, am Klavier: Daniil Trifonov. Foto: © HR/Ansgar Klostermann/ARD ZDF/obs

(Foto: obs)

Weil kaum Kulturfestivals stattfinden können, laufen beim "ARD Radiofestival" diesen Sommer einige Konzert- und Opernübertragungen als Wiederholung. Auch einige Live-Auftritte sind dabei.

Von Stefan Fischer

Wie viele Kulturfestivals müssen stattfinden, damit es auch das ARD Radiofestival geben kann? Diese Frage hat die Programmplaner beim federführenden SWR stark umgetrieben in den vergangenen Monaten. Denn klar war von Anfang an: Ein paar müssen es schon sein.

Seit 2009 ist das ARD Radiofestival eine Attraktion fürs Kultur- und speziell das Klassikpublikum unter den Hörern: Rund zwei Monate lang senden die Kulturprogramme der ARD seither im Sommer abends ein Gemeinschaftsprogramm. Das hilft den Sendern natürlich auch, Geld zu sparen. Was auf Kosten der Vielfalt geht, ist jedoch zum Nutzen der Qualität und Außergewöhnlichkeit des Programms.

Aus Bayreuth, Salzburg und Aix-en-Provence, vom Schleswig-Holstein Musik Festival, der BBC Night of the Proms und etlichen renommierten Festivals mehr wurden stets Konzerte und Opernaufführungen live übertragen oder aktuelle Livemitschnitte gesendet.

Das geht in diesem Sommer wegen der Corona-Pandemie in dieser Fülle nicht. Nun sind die Archive der neun ARD-Anstalten gut gefüllt mit hochwertigen Aufnahmen. Weshalb der Situation halber einige Klassiker vertreten sind im Programm des diesjährigen ARD Radiofestivals, das an diesem Samstag beginnt und bis 12. September dauert: Frank Castorfs Inszenierung von Richard Wagners Ring des Nibelungen etwa, aufgenommen bei den Bayreuther Festspielen 2015, dirigiert von Kirill Petrenko (25.-28. Juli), und Der Rosenkavalier von Richard Strauss, mit den Wiener Philharmonikern, dirigiert von Herbert von Karajan bei den Salzburger Festspielen 1960 (29. August). Dazu Jazz-Konzerte von Chick Corea, Albert Mangelsdorff, John McLaughlin und Jean-Luc Ponty in München 1972 (17. August) sowie von Sun Ra And His Arkestra bei den Berliner Jazztagen 1970 (26. August).

Nur braucht es für Klassik aus der Konserve kein gemeinsames Festival. Weshalb es von zentraler Bedeutung für das ARD Radiofestival ist, dass doch eine ganze Reihe aktueller Aufführungen zu hören sein werden, teilweise sogar live. Kurzfristig ist es gelungen, die Live-Übertragung der Premiere von Richard Strauss' Oper Elektra bei den Salzburger Festspielen (Musikalische Leitung: Franz Welser-Möst, Regie: Krzysztof Warlikowski) am 1. August zu realisieren. Die Saisoneröffnung der Berliner Philharmoniker wird ebenfalls live übertragen (28. August). Georges Bizets Carmen aus der Staatsoper Unter den Linden mit Daniel Barenboim konnte im März ohne Publikum aufgeführt und aufgezeichnet werden - der Auftakt des Radiofestivals am Samstag (20 Uhr).

Nicht realisiert werden konnte wie sonst üblich die vielteilige Lesung eines Romans. Das Literaturkonzept in diesem Jahr ist jedoch sehr charmant: Vierzig Autoren steuern jeweils eine kurze Erzählung bei, teilweise lesen sie ihre Texte selbst, etwa Felicitas Hoppe, Leif Randt, Marcel Beyer, Doris Dörrie, Zsuzsa Bánk und Feridun Zaimoglu. Hinzu kommen noch Archivgespräche mit Künstlern und Wissenschaftlern sowie samstags aktuelles Kabarett.

ARD Radiofestival, 18. Juli bis 12. September, täglich ab 20 Uhr auf WDR 3, NDR Kultur, SWR 2, RBB Kultur, MDR Kultur, HR 2, SR 2, Bremen Zwei und im Digitalkanal B5 Plus, ardradiofestival.de

© SZ/ebri/coko
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