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ARD:"Papas arbeiten doch nicht!"

âÄžVäter âÄ" Allein zu HausâÄœ

Sie sind nicht nur Freunde, sie teilen auch ein gemeinsames Schicksal: Während sich die Mütter ihrer Kinder um Job und Karriere kümmern, stellen sie sich heldenhaft einer der größten Herausforderungen ihres Lebens: der Bändigung des alltäglichen Familien-Wahnsinns. Sie sind "Väter allein zu Haus".

(Foto: WDR/Guido Engels)

Nicht mehr als eine Lachnummer? Das Erste zeigt vier Komödien mit vertauschten Rollenbildern. Wie das ins Familienbild der Deutschen passt.

"Stimmt das wirklich: Du gehst morgen arbeiten?", fragt die sechsjährige Tochter, den Kopf schon im Kissen, Kuscheltier im Arm. "Mhm." Darauf die Tochter: "Aber Papas arbeiten doch nicht!"

Es ist ein einfaches Prinzip, dass die vierteilige ARD-Komödie "Väter allein zu Hause" anlegt: Die Geschlechterklischees werden trennscharf besetzt, allerdings mit vertauschten Rollen. "Notfalls verdiene ich doch genug", bekommt also nicht etwa die Frau zu hören. Damit wird der Mann getröstet, als er gerade um seinen Arbeitsplatz - natürlich Teilzeit - bangt.

Die vier Filme, die man auch gut als Einzelstücke ansehen kann, nehmen jeweils einen der Väter ins Zentrum. Sie alle haben ein Kind in derselben ersten Klasse. Sie alle sind für ihr Kind der Hauptansprechpartner. Mark, gespielt von David Rott, ist diesen Freitag an der Reihe. Die ersten sechs Jahre ist er für die Tochter zu Hause geblieben, will jetzt nach der Einschulung wieder zurück in die Marketingagentur. Natürlich kümmert er sich weiter um die Pausenbrotboxen, das Läusemittel und das selbst genähte Fischkostüm. Seiner Frau Judith (Felicitas Woll), Ärztin in Vollzeit - Prinzip Doppelschicht und auf dem Sprung, die Notfallklinikleitung zu übernehmen - hält er den Rücken frei. Natürlich läuft einiges aus dem Ruder. Auf dem Kostümausflug verliert Mark ein Kind ("Die Qualle ist weg!"), er verpasst regelmäßig Termine in der Agentur ("Könnten wir 14 Uhr machen? Wegen der Abholzeiten?") und knutscht mit der Grundschullehrerin.

Das Prinzip des Klischeetauschs spielt der Film ziemlich konsequent durch, was tatsächlich oft ganz lustig ist. Manchmal wird dick aufgetragen: Marks Chefin etwa ("Ich brauche geile Ideen für mein London-Meeting und keinen Mitarbeiter, der nachmittags im Sand buddelt") wird sexuell übergriffig und wirft, als ihr die Macht entgleitet das Büroinventar durch die Gegend - und zwar alles. Andere Dinge geschehen ganz nebenbei: Die Selbstverständlichkeit, mit der Michaela (Christina Große) sich ein Feierabendbier aus dem Kühlschrank holt und - noch im Mantel - trinkt oder wie Judith statt zuzuhören Marks Hemd aufknöpft.

Das Prinzip ist aber auch ziemlich verräterisch. Einen Mark wie im Film gibt es fast nicht. Die verdrehte Welt macht die Realität klarer. Und die sieht ziemlich eindeutig aus: Nur jeder dritte Vater nimmt Elternzeit, dreiviertel von diesen nicht mehr als zwei Monate lang. Dagegen beziehen 90 Prozent der Mütter zehn Monate Elterngeld oder mehr. Auch später ändert sich wenig: 68 Prozent der Mütter arbeiten Teilzeit, weniger als sechs Prozent der Väter. Die neuen, anderen Väter - nicht mehr als eine Lachnummer, Komödienstoff fern der Realität? Nicht ganz.

Denn was sich Eltern heute wünschen, verändert sich. Dass sich beide gleichermaßen um Job und Kinder kümmern, sagt eine aktuelle Allensbachstudie, gilt inzwischen für genauso viele Mütter und Väter als Idealaufteilung wie das traditionelle Modell des hauptsächlich oder alleinverdienenden Vaters. Vielleicht ist es also genau die richtige Zeit für die anderen Väter - und seien sie auch vorerst vor allem im Fernsehen zu sehen.

Väter allein zu Haus, Das Erste, Freitag, 20.15 Uhr, und in der Mediathek.